Österreichischer Ex-UNO-Polizist im Kosovo zu drei Jahren Haft verurteilt

9. Oktober 2003, 16:38
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Martin A. folterte Häftling - Urteil wird nach Österreich zugestellt

Wien/Pristina - Ein ehemaliger österreichischer UNO-Polizist ist am Dienstag vom Bezirksgericht Orahovac im Kosovo in Abwesenheit zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Wie ein UNO-Sprecher bestätigte, wurde der Österreicher Martin A. schuldig gesprochen, gemeinsam mit zwei weiteren einheimischen Offizieren im März 2002 einen Verdächtigten gefoltert zu haben, um ein Geständnis zu erzwingen. Der Sprecher des Innenministerium, Rudolf Gollia, bestätigte die Verurteilung.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Die beiden einheimischen Mitangeklagten wurden zu je sechs Monaten verurteilt und werden nach Angaben des UNO-Sprechers ihre Strafen im Kosovo absitzen. Wie Gollia erklärte, ist das Urteil gegen A. noch nicht rechtskräftig. Erwartet werde, dass ein schriftliches Urteil in den nächsten zwei Wochen dem Anwalt von A. zugestellt wird, der dann Einspruch erheben kann.

Schwere psychische Probleme

Martin A. soll laut Zeugen gemeinsam mit den beiden einheimischen Beamten am 25. Februar 2002 einen Albaner, der wegen Raubmordes festgenommen worden war, in den Bauch geschlagen haben. Später soll der Albaner auch gezwungen worden sein, eine Grube auszuheben, von der ihm angeblich suggeriert wurde, es handle sich um sein eigenes Grab. Am Tag darauf meldete ein deutscher UNO-Polizist den Vorfall. Danach wurde Martin A. von der Untersuchungsbehörde der UNO befragt und festgenommen. Am 27. Februar stellte ein Arzt in Prizren schwere psychische Probleme bei A. fest.

UNO "besorgt" über Österreichs Vorgehen

Nachdem die internationale Staatsanwaltschaft im Kosovo die Aufhebung der Immunität des Polizisten beantragt hatte, beschlossen das österreichische Innen- und Außenministerium am 28. Februar, Martin A. unverzüglich außer Landes zu bringen. Als dessen Immunität am 1. März von der UNO aufgehoben wurde, war A. bereits in Österreich. Die UNO zeigte sich damals "besorgt" über das Vorgehen Österreichs, weil der UNO-Polizist ohne Genehmigung der UNMIK das Land verlassen habe. (APA/AP)

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