Zähes Ringen um die Umfahrung

9. Oktober 2003, 15:23
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Wien findet sich langsam mit Donaubrücke ab

Die Diskussion über die zwei möglichen Trassen der Nordost-Umfahrung (DER STANDARD berichtete) nimmt Bürgermeister Häupl "pragmatisch". Er ist für jene Variante, die schnell verwirklicht werden kann und stadtplanerische Vorteile bringt. Womit sich Häupl ebenfalls für die stadtnähere Trasse zwischen Aspern und Eßling ausspricht. Denn so sei garantiert, dass durch die kürzere Querung der Nationalpark Lobau unangetastet bleibe. Auch könne dann Betriebsansiedlung auf Wiener Gebiet stattfinden.

Schotter-Probleme

Was die Donauquerung betrifft, scheint sich Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) langsam mit der von der Asfinag erarbeiteten Brückenlösung abzufinden. Man müsse noch "letzte Details prüfen". Die entscheidenden Probleme bei der Tunnellösung erläutert Wiens Baudirektor Gerhard Weber: "Die S1 hätte man hier nur in drei Röhren realisieren können - mit Gegenverkehr in der mittleren." Dazu kommen geologische Schwierigkeiten durch den "Schotter des Schwechater Lochs". Außerdem hätte man den Tunnel entweder so tief legen müssen, dass man die Anschlussstelle Lobau nicht erreicht hätte, "oder so seicht, dass durch die Überdeckelung der Abfluss von Hochwässern nicht mehr gewährleistet gewesen wäre."

Konflikte im Detail

Zwischen Wien und Asfinag schwelt aber nicht nur die Grundsatzdiskussion, welche Trasse realisiert wird. Die Konflikte schlummern auch im Detail. So hätte etwa die Ösag gerne eine finanzielle Beteiligung Wiens beim Tunnel am Flugfeld Aspern. Die Errichtungsgesellschaft favorisiert überdies eine Tunnel-Umfahrung von Ölhafen und Tanklager Lobau. Wien hingegen will eine direkte Querung des Areals, weil dadurch der Nationalpark noch weniger beeinträchtigt würde.

Wien geht überdies davon aus, dass die Verlängerung der Donauufer-Autobahn A22 zwischen Knoten Kaisermühlen und Lobau komplett überdacht wird. Die Ösag prüft auch andere Möglichkeiten wie etwa eine Galerie-Lösung. In einem sind sich allerdings beide Seiten einig: Die Nordostumfahrung soll bis 2011/12 fertig sein. (frei/DER STANDARD; Printausgabe, 8.10.2003)

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