Schnelltest für Chemierückstände im Wasser

12. Oktober 2003, 19:35
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Linzer Chemiker entwickelten Analyseverfahren nach Vorbild des Immunsystems

Linz - Wer hin und wieder Schmerztabletten - wie etwa Voltaren - schluckt, scheidet naturbedingt unter anderem den Wirkstoff Diclofenac aus und trägt damit eher unbewusst einen Teil zur Gefährdung heimischer Gewässer bei. Rückstände wie etwa von gängigen Schmerztabletten, die großteils alle Diclofenac enthalten, erreichen über das Abwassersystem auch die Oberflächengewässer.

Aufgrund der geringen ausgeschiedenen Mengen bestehe zwar keine unmittelbare Gefahr für das Trinkwasser, Auswirkungen auf das Ökosystem des Wassers seien aber nicht auszuschließen, erklärt der Linzer Chemieprofessor Wolfgang Buchberger.

Aufwändige quantitative Bestimmung

Bisher war die quantitative Bestimmung von Spuren pharmazeutischer Wirkstoffe enorm zeitaufwändig und vor allem nur in Labors und nicht direkt im Wasser durchführbar. Genau dieser Problematik haben sich jetzt Chemiker der Linzer Johannes-Kepler-Universität angenommen und gemeinsam mit Experten der Technischen Universität in München ein innovatives Blitzverfahren entwickelt, das eine raschere Analyse der Wasserproben hinsichtlich diverser Arzneimittelrückstände zulässt.

"Als Vorbild für das neue Verfahren diente der lebende Organismus", erläutert Buchberger. Der Körper schafft es unter anderem, durch die Bildung von Antikörpern körperfremde Substanzen (Antigene) quasi außer Gefecht zu setzen. "Aus der Sicht des Analytikers sind diese Antikörper ideale Reagenzien, da sie hochselektiv mit einer bestimmten Substanz reagieren können", erklärt der Linzer Forscher.

Antikörper zum Nachweis von Arzneimitteln

Verwendet man nun Antikörper zum Nachweis von Arzneimitteln in einer Umweltprobe, so ist "nur" mehr erforderlich, den "gebildeten Antigen-Antikörper-Komplex quantitativ nachzuweisen", so Buchberger. Den Linzern ist es gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen gelungen, Antikörper gegen Diclofenac zu gewinnen und damit einen so genannten Immunoassay als Schnelltest für Diclofenac zu entwickeln.

"Der Stoff ist aufgrund seiner häufigen Verbreitung in fast allen Fließgewässern unterhalb von Kläranlageneinleitungen zu finden und könnte sich daher auch als Indikator für andere Arzneimittelrückstände eignen", hofft der Experte auf weitere Anwendungsfelder. Im Rahmen des Forschungsprojektes konnten auch andere Immunoassays, nämlich solche, die heute bereits routinemäßig für die Kontrolle von Antibiotikarückständen in Lebensmitteln verwendet werden, so weit adaptiert werden, dass sie nun auch zur Spurenbestimmung in Wässern verwendbar sind. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 8.10.2003)

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