Übergriffe erfolgen zumeist verbal

7. Oktober 2003, 19:12
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Wie sich österreichische Parlamentarier danebenbenehmen

"Das mit den Frauen ist schon eine Mühe. Erst baut man ihnen Frauenhäuser, dann muss man sie auch noch prügeln, damit sie hingehen." Der niederösterreichische FPÖ-Abgeordnete Anton Wattaul erntete für diesen Witz, den er im Juli am Rande der Budgetdebatte unterbrachte, nicht nur Lacher. Einige weibliche Abgeordnete haben die Machosprüche ihrer Kollegen im Parlament wirklich satt. Verbale Ausrutscher und gehässige Zwischenrufe gehören im Hohen Haus offensichtlich zum Umgangston. Das Verhalten der Herren Abgeordneten ist nicht immer galant, vor allem dann nicht, wenn sie aus der Cafeteria kommend eine Alkoholfahne vor sich her tragen.

Echte Handgreiflichkeiten sind aber die absolute Ausnahme - auch wenn es unter den heimischen Politikern etliche gibt, die für Grapschereien bekannt und gefürchtet sind. Getuschelt wird viel, offene Anschuldigungen gibt es fast keine. Das mag auch an einigen beispielhaften Fällen aus der Vergangenheit liegen. Sie wurden "gebügelt", wie man so sagt. Oder umgedreht.

In einem Fall hat etwa der männliche Täter die Entschuldigung des weiblichen Opfers angenommen, und damit war die Sache geregelt. Es war Sozialminister Josef Hesoun, der einer SPÖ-Abgeordneten mit der Hand in ihren Rückenausschnitt gefasst und ihr an die Brust gegriffen haben soll. Hesoun hatte sich damit gerechtfertigt, der Kollegin lediglich über die Brust gestreift zu haben. Die Abgeordnete nahm ihre erste Version schließlich zurück und meinte, es sei nicht so schlimm gewesen. Ihr Mandat war sie trotzdem los. "Das Wesen von erledigten Sachen ist eben, dass sie erledigt sind", hatte der damalige SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Cap nach einer "positiven Aussprache" festgestellt.

Meist bleibt es aber bei verbalen Übergriffen. So hatte der SPÖ-Abgeordnete Peter Keppelmüller der Grünen Monika Langthaler ihre "Bettgemeinschaft" vorgeworfen und dass sie einen "goldenen Hintern" habe. Der FPÖ-Abgeordneten Elisabeth Aumayr hielt er vor, dass sie ihn nerve, weil er Leute nicht leiden könne, "die sehr dumm sind, aber pausenlos den Mund offen haben".

Die LiF-Abgeordnete Maria Schaffenrath beschwerte sich über ÖVP-Mandatar Josef Höchtl, der sich mit weit gespreizten Beinen vor sie hingesetzt und sie verhöhnt habe.

Für Aufregung sorgte der Zwischenruf des steirischen VP-Abgeordneten Paul Burgstaller, der die Grüne Terezija Stoisits im Innenausschuss aufforderte, sie möge das Mikrofon "in den Mund nehmen und fest daran lutschen". Die Riesen-Gaudi unter den männlichen Abgeordneten ermutigte daraufhin den Vorarlberger SP-Mandatar Helmut Wolf, ein Lied anzustimmen: "Resi, i hol di mit'n Traktor o". Im Übrigen mache er niemals schlapp, erklärte er. (völ/DER STANDARD, Printausgabe 08.10.2003)

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