Ein Griff im "Oval Office"

7. Oktober 2003, 19:09
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USA: Sexuelle Entgleisungen sorgten immer wieder für Skandale

Eines ist sicher: Was das "groping" - das Grapschen - betrifft, so befindet sich Arnold Schwarzenegger nicht nur in guter Gesellschaft, er hat auch in eine Familie eingeheiratet, die bei derartigen Entgleisungen gerne ein Auge zudrückt: Obwohl während der Amtszeit von Maria Shrivers Onkel, Präsident John Kennedy, ein Medienembargo bezüglich dessen sexueller Ausschweifungen bestand, kann sicher angenommen werden, dass auch ihm bisweilen die Hand ausrutschte und auf einem fremden Busen landete.

Auch sein Bruder Ted Kennedy war bekannt für seine außerehelichen Eskapaden, die zur Scheidung von seiner Frau Joan führten. Und Marias Cousin William Kennedy Smith wurde 1991 nicht nur des Grapschens, sondern sogar der Vergewaltigung angeklagt - und von einem Gerichtshof in Florida freigesprochen.

Weniger tolerant ging die Öffentlichkeit mit dem ehemaligen Senator Bob Packwood um, einem gemäßigten Republikaner, der sich zunächst in der Gunst der amerikanischen Feministinnen sonnen konnte, weil er sich intensiv für Frauenrechte eingesetzt hatte. Packwood, der seit 1969 im Senat gesessen war, wurde 1992 von einer Reihe von Frauen des wiederholten Grapschens bezichtigt. Packwood wehrte sich, erklärte, der Alkohol sei an allem schuld, und begab sich in eine Entziehungsklinik. Dennoch musste er 1995, nach einer öffentlichen Zurechtweisung durch ein Senatskomitee, seinen Hut nehmen.

Grapsch-General

Auch das Militär war nicht frei von Grapsch-Skandalen: Claudia Kennedy, als Drei-Sterne-Generalin die höchstrangige Frau in der US-Armee, beschuldigte einen Kollegen, General Larry Smith, sie 1996 im Pentagon sexuell belästigt zu haben. Sie ging allerdings mit ihrer Geschichte erst an die Öffentlichkeit, als sie 2000 erfuhr, dass Smith für eine wichtige Beförderung im Gespräch war - und konnte verhindern, dass ein Grapscher den Posten des Generalinspektors der Armee erlangte.

Aber der bekannteste Grapscher ist ohne Zweifel Expräsident Bill Clinton: Während seines Impeachment-Prozesses sagte seine ehemalige Unterstützerin Kathleen Willey aus, dass der damalige Präsident sie im Oval Office begrapscht und ihr an den Busen gegriffen habe. Damals gerieten US-Feministinnen unter Beschuss, die 1991 bei der Ernennung von Clarence Thomas zum Obersten Richter Zeter und Mordio geschrien hatten, da er angeblich eine Richterkollegin, Anita Hill, sexuell belästigt hatte.

Bei dem ihnen politisch genehmen Bill Clinton hielten sie sich zurück - ihr Schweigen war, wie es damals in einem Kommentar hieß, "geradezu ohrenbetäubend". (DER STANDARD, Printausgabe 08.10.2003)

Von Susi Schneider aus New York
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