U6-Verlängerung: Ohne Potenzial kein Geld

12. Oktober 2003, 21:32
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Finanzverhandlungen bis Jahresende - Bei den Wiener Linien hat man mit geplanter U6-Verlängerung wenig Freude ...

Bei den Wiener Linien hat man mit der Verlängerung der U6 von Floridsdorf bis Stammersdorf wenig Freude. Es heißt, diese Strecke habe "nicht genug Potenzial, um rentabel betrieben zu werden". Schon bei der Präsentation von Plänen heuer im Februar war klar: Es fehlen im Einzugsgebiet von der jetzigen Endstelle am Franz-Jonas-Platz bis zum Rendezvousberg mindestens 30.000 zusätzliche Bewohner, damit der Ausbau um fast 600 Millionen Euro gerechtfertigt wäre. Zudem sei die Zeitersparnis gegenüber der jetzigen Verbindung mit der Bimlinie 31 und dem Umstieg auf die U6 ins Stadtinnere minimal.

Kaum Infrastruktur

Außerdem gebe es bei der Endstation Rendezvousberg kaum Infrastruktur. Deren Aufbau ist auch nicht zu erwarten, sagt MA-18-Stadtplanerin Beatrix Rauscher, denn dort ist kein besonderes Entwicklungsgebiet ausgewiesen. Unwahrscheinlich ist auch die Variante, die U6 nur bis zum Shoppingcenter Nord zu verlängern. Da würde man bloß mit Steuergeld dem Einkaufszentrum die Kundschaft vor die Tür führen, heißt es bei den Wiener Linien.

Abhängig ist jegliche U6-Variante von der Finanzierung - und die werde gerade mit dem Infrastrukturministerium verhandelt, sagt Rauscher. Sie meint, dass die Gespräche bis Ende des Jahres abgeschlossen sein werden. Finanzstadtrat Sepp Rieder verhandelt um das milliardenschwere Gesamtpaket, bei dem sich der Bund zur Hälfte beteiligen soll. Zum Stand der Verhandlungen verrät er nicht viel, um die Position der Wiener nicht zu gefährden.

Masterplan

Neuerlich festgeschrieben wurde die U6 im kürzlich präsentierten Verkehrsmasterplan 2003. Sollte keine Finanzierung mit dem Bund für alle im Masterplan genannten U-Bahn-Projekte zustande kommen, ist es am wahrscheinlichsten, dass der Ausbau der U6 gestrichen wird, heißt es rathausintern. Offiziell bestätigen will das niemand.

In Floridsdorf ist man am Ausbau der U6 natürlich sehr interessiert. Wird die U-Bahn aber nicht realisiert, stellt sich die Frage, wie Pendler trotzdem schnell in die Stadt kommen. Günther Barnet, FP-Gemeinderat und in Floridsdorf wohnhaft, verlangt bessere Busverbindungen. (aw/DER STANDARD; Printausgabe, 8.10.2003)

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