Vitaly Ginzburg

8. Oktober 2003, 10:34
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Von Astrophysik über Wasserstoffbombe zum Nobelpreis - einer der Patriarchen der russischen Physik

Moskau - Der diesjährige Physik-Nobelpreisträger Vitaly Ginzburg, der die hohe Ehrung drei Tage nach seinem 87. Geburtstag zugesprochen bekam, gilt in Russland als einer der Patriarchen der Physik. In seiner wissenschaftlichen Laufbahn hat sich der gebürtige Moskauer gleich in vielen Bereichen der Physik betätigt - von der Astrophysik über die Nuklearphysik bis hin zur Wissenschaft der Supraleiter.

Der Schüler und Mitstreiter des Atomphysikers und Friedens-Nobelpreisträgers Andrej Sacharow hat nach eigenem Bekunden den wesentlichen Beitrag zum Bau der sowjetischen Wasserstoffbombe geleistet. "Sacharows Idee wurde abgelegt, sie führte nicht weiter", sagte Ginzburg in einem vor drei Jahren veröffentlichten Interview. "Aber meine Idee von der Verwendung Lithiums wird bis heute genutzt." Dennoch wies er die "Vaterschaft" an dieser schrecklichen Waffe zurück.

Supraleiter-Theorie

Sein Meisterwerk aber schuf Ginzburg zusammen mit dem 1968 gestorbenen Kollegen Lew Landau: Die quasiphänomenologische Theorie der Supraleiter. Die weiterführende Forschung schließlich brachte ihm den kaum noch erwarteten Nobelpreis, zu dem er schon seit fast drei Jahrzehnten regelmäßig vorgeschlagen wird. "Ich schlafe ruhig, mich können die Nobelpreis-Ehren nicht aufregen", sagte er vor Jahren.

Der Wissenschafter im Ruhestand ruht dennoch nicht. Er ist Chefredakteur der in Russland namhaften Zeitschrift "Erfolge der physikalischen Wissenschaften" und setzt daneben seine theoretischen Forschungen fort.

"Völlig überrascht"

Von der Entscheidung der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften sei er "völlig überrascht" worden. "Ich bin schon nicht mehr der Jüngste und es ist mir eine Ehre, dass die Akademie aus der Vielzahl der würdigen Kandidaten mich gemeinsam mit Alexei Abrikosov und dem Briten Anthony Leggett ausgewählt hat", sagte Ginsburg am Dienstag in Moskau. Er sei an seinem Arbeitsplatz im Physikinstitut der Akademie der Wissenschaften von den Schweden angerufen und über die Entscheidung informiert worden. Als erstes habe er seine Frau davon unterrichtet, sagte Ginzburg der Agentur Itar-Tass. (APA/dpa)

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