Bundeswohnungen sollen bis Nikolo verkauft sein

12. Oktober 2003, 21:08
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BIG erwartet 135 Millionen Euro, Finanzminister bekommt 70 Prozent

Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) hat anlässlich der Immobilienmesse Exporeal den Verkaufsprozess ihrer österreichweit 3860 Wohnungen gestartet. Das Mindestgebot für die Käufer, die entweder das Gesamtpaket oder Bundesländerpakete erwerben können, liegt bei 112,2 Millionen Euro. Experten erwarten einen tatsächlichen Verkaufspreis von 130 bis 135 Mio. Euro. 70 Prozent davon muss die BIG direkt dem Finanzministerium überweisen. Der Zuschlag an den Bestbieter aus der Versteigerung soll am 5. Dezember erfolgen.

Michael Reinberg, der mit der Bewertung der Liegenschaften beauftragt war, errechnete für die Wohnungen eine Rendite von rund fünf Prozent auf das eingesetzte Kapital; inklusive sämtlichen Aufwands für etwaige Sanierung und Nebenkosten. Derzeit liegen die jährlichen Mieteinnahmen für die 340.000 m² bei acht Mio. Euro. Die durchschnittliche Miete beträgt damit 1,5 bis zwei Euro/m². Hier sehen die Experten hohes Potenzial. Denn die bestehenden Mieten dürfen zwar nicht angehoben werden, bei Neuvermietung ist das laut Mietsrechtsgesetz aber zulässig. BIG-Chef Hartwig Chromy verweist auf viele alte Mietverträge aus den 50er- und 60er-Jahren.

Erlösmaximierender Leerstand

Der Leerstand (unvermietete Wohnungen) liegt bei 35.000 bis 37.000 m², was rund zehn Prozent des Bestandes entspricht, der – erlösmaximierend – bewusst nicht neu vermietet wurde. Außerdem gibt es eine Baulandreserve, die mit vier Mio. Euro bewertet wurde und die entweder mitentwickelt oder verkauft werden kann.

35 Prozent der Gesamtflächen sind in Wien, wie die 1856 errichteten Wohnungen im Arsenal. 15 Prozent der Flächen sind in Salzburg.

Geänderte Kernkompetenzen

BIG-Vorstand Herbert Logar begründet den Wohnungsverkauf mit den geänderten Kernkompetenzen der BIG. So hat die BIG jüngst, nicht zuletzt weil der Bund immer weniger Flächen braucht, 1,3 Mio. m² Nutzfläche in eine eigene Projektentwicklungsgesellschaft eingebracht. BIG-Vorstand Christoph Stadlhuber bezifferte das Investitionsvolumen dafür in den nächsten zehn bis 15 Jahren mit 2,5 Mrd. Euro.

Stadlhuber betonte, dass die BIG bei Projektentwicklungen immer Eigentümer ist; da der Bund BIG-Eigentümer ist, kann die BIG günstige Finanzierung durch ihre beste Bonität (Triple A) verschaffen. Aktuell werden in der Taubstummengasse im vierten Wiener Gemeindebezirk 60 Eigentumswohnungen um neun Mio. Euro errichtet., sowie das Frank Stronach-Institut in der Steiermark. (DER STANDARD Printausgabe, 8.10.2003)

Claudia Ruff aus München
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