Der Mukhabarat will Arbeit

9. Oktober 2003, 08:46
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Saddams Geheimdienstler demonstrieren – Granate auf Ministerium

"Wir wollen Geld! Wir wollen Arbeit" – Mit diesen Losungen demonstrierten am Dienstag mehrere Hundert ehemalige Mitarbeiter des Saddam-Geheimdienstes Mukhabarat vor dem Amtssitz der US-Verwaltung in Bagdad. Die Menge geriet bald noch mehr in Wut, und Steine flogen auf die hohen Mauern, die die Protes^tierer von der neuen Macht trennten. Ein halbes Jahr nach der Entmachtung des Tyrannen Saddam durch die US- Truppen scheint sich niemand mehr daran zu stoßen, dass nun die grausamsten Büttel des alten Regimes auf der Straße ihre "Bürgerrechte" einfordern.

Dabei arbeiten einige von ihnen inzwischen ohnehin für die Besatzungsmacht. Dieser wurde nämlich klar, dass ihr die Expertise der Syrien- oder Anti-Terror-Spezialisten des Dienstes durchaus nützen kann. Für das Fußvolk der einfachen Spitzel und Folterer hat die neue Verwaltung freilich keine Verwendung.

Granate auf Ministerium

Während vor dem Tor zur Palastanlage, in der US-Chefverwalter Paul Bremer mit seinen Beamten residiert, die Steine flogen, krachte es am Dienstagvormittag beim nahe gelegenen Außenministerium gewaltig. Eine Mörsergranate war in den Parkplatz eingeschlagen, ohne jemanden zu verletzen. Anders im nordirakischen Kirkuk: Dort tötete eine Mörsergranate, die auf ein Büro des schiitischen Obersten Rates der Islamischen Revolution (SCIRI) ab gefeuert wurde, einen Parteiangestellten. Der SCIRI gilt als moderat und sitzt mit einem Vertreter im provisorischen Regierungsrat, den Bremer im Juli bestellt hatte. Der angesehene SCIRI-Führer Ajatollah Bakir el Hakim fiel Ende August in Najaf einem Bombenanschlag zum Opfer.

US-Soldat getötet

Der Mörseranschlag auf das Bagdader Außenministerium war wohl als "Botschaft" für die Amerikaner gedacht. Hinter dem Gebäude liegt das Hotel Rashid, einst Luxusherberge der Journalisten, heute Wohnsilo für Bremers Beamte. Das US-Zentralkommando gab indes bekannt, dass am Montag bei einem Bombenanschlag westlich von Bagdad sind drei Soldaten und ein irakischer Dolmetscher getötet wurden. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 8.10.2003)

Gregor Mayer aus Bagdad
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