Schatten im Paradies

9. Oktober 2003, 11:09
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NHL: Vor dem Saisonstart drücken die Vereine hohe Schulden, die Neu-
verhandlung der Spieler-Tarifverträge wird schwierig

Wien - Mit Rekord-Verlusten aus dem Vorjahr und entsprechend gedämpften Aktivitäten auf dem Transfermarkt geht die National Hockey League am Mittwoch in die 87. Saison. Die sportliche Entscheidung fällt spätestens am 7. Juni, Diskussionen über die wirtschaftliche Zukunft werfen aber schon jetzt einen langen Schatten auf die Saison.

Am 15. September 2004 läuft das "collective bargaining agreement", der Rahmentarifvertrag, aus. Wie viel Zündstoff in den Verhandlungen zwischen der Spielergewerkschaft NHLPA und der Liga liegt, zeigt ein Blick zurück in die Saison 1994/95. 103 Tage dauerte damals ein Tarifstreik, ehe man Einigung erzielte.

Stark gestiegene Spielergehälter

Der Poker ums Geld wird auch diesmal Monate dauern. Erst vergangenen Mittwoch gab es das erste offizielle Meeting auf höchster Ebene zwischen Eigentümern und Spieler-Vertretern. Eine Annäherung der Standpunkte ist nicht in Sicht. Doch die Klubs sind unter Zugzwang. Während sich in den vergangenen neun Jahren das Durchschnittseinkommen der Spieler von 733.000 Dollar auf 1,79 Mio. pro Jahr erhöht hat, steht es um die Finanzen der Klubs schlecht. In der Vorsaison machten die 30 Klubs einen Rekordverlust von insgesamt rund 300 Mio. Dollar.

Stars geben es billiger

Im Sommer saßen daher viele Eigentümer auf der Kasse. Namhafte Spieler erhielten keinen Vertrag, selbst Top-Stars gaben es billiger. Paul Kariya und Teemo Selänne, einst Top-Duo in Anaheim, wechselten gemeinsam zu Colorado Avalanche. Kariya stieg dabei die größte Gehalts-Reduktion der NHL-Geschichte in Kauf: 1,2 Mio. Dollar statt bisher 10 Mio.

Mit weiteren Stars wie Peter Forsberg, Milan Hejduk oder Joe Sakic garantiert das Team aus Denver totale Offensiv-Power. Nach dem Karriere-Ende von Patrick Roy bleibt aber ein großes Fragezeichen hinter der Torhüter-Position.

Minnesota muss um Playoff kämpfen

Die Konkurrenz in der Western Conference ist nicht ohne. Die Detroit Red Wings holten Top-Verteidiger Derian Hatcher und reaktivierten Supergoalie Dominic Hasek. Auch die Dallas Stars und die Vancouver Canucks werden hoch gehandelt. Die St. Louis Blues (Reinhard Divis im Farmteam) gelten als Playoff-Starter, Conference- Finalist Minnesota Wild (Christoph Brandner) will im Kampf um die Playoff-Plätze ein Wort mitreden.

Im Osten wird ein Zweikampf zwischen Titelverteidiger New Jersey Devils und den Ottawa Senators erwartet, dahinter lauern die Philadelphia Flyers. Die New York Rangers, mit geschätzten 75 Mio. Dollar traditionell die teuerste Mannschaft der Liga, haben das Playoff zuletzt sechs Mal in Serie verpasst. (APA/red)

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    Um diesen Pott geht's auch diesmal, den Stanley Cup. 2003 wanderte er nach New Jersey zu den Devils (im Bild mit Kapitän Scott Stevens).

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