Verweigerung von Gratisarbeit zog Kündigung nach sich

11. Oktober 2003, 21:37
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Zwei Mitarbeiterinnen der Firma Hettlage wollten nicht unbezahlt arbeiten

Wien - Bei MitarbeiterInnen der Firma Hettlage herrschte vor einigen Wochen helle Aufregung. In einem Brief der Geschäftsleitung wurden sie "gebeten", 100 Stunden gratis zu arbeiten. Begründet wurde diese Aufforderung zur "Solidarität" mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Die Münchner Geschäftsleitung von Hettlage versicherte damals, es liege bei jeder einzelnen Mitarbeiterin, auf das Angebot einzugehen oder nicht. Es werde den Beschäftigten daraus kein Nachteil erwachsen. - Doch das ist jetzt schlagartig anders.

Unmoralisches Angebot

Am Dienstag wurden in Amstetten die ersten Kündigungen von Mitarbeiterinnen bekannt, die nicht bereit waren, auf das unmoralische Angebot einzugehen. Zwei der gekündigten Frauen seien über 50 Jahre alt. "Sie haben kaum eine Chance auf einen anderen Arbeitsplatz. Für die Betroffenen ist das auch hinsichtlich der Pension eine Katastrophe. Wie sollen sie je die Voraussetzungen für eine Pension erreichen, von der sie auch leben können? Wie soll jemand, der mit 50 arbeitslos ist, je die berühmte dritte Säule aufbauen? Das ist ja völlig absurd", meint Staudinger.

"Moderne Sklaverei"

Der Fall Hettlage sei jedoch kein Einzelfall. Immer wieder werden Fälle bekannt, in denen Unternehmen das Arbeitsrecht ignorieren. "Da werden Kollektivverträge umgangen, Arbeitsleistungen nicht honoriert oder unmenschliche Arbeitszeiten verlangt", kritisiert Staudinger. "Ist viel zu tun, werden die Leute zu Hause angerufen, dass sie in die Firma kommen sollen, ist wenig zu tun, werden sie heim geschickt. Das ist moderne Sklaverei", so Staudinger. Gleichzeitig würden sich Firmen, die derart unseriös vorgehen, Vorteile im wirtschaftlichen Wettbewerb verschaffen. Es müsse daher auch im Interesse der Wirtschaftskammer sein, hier aktiv zu werden.

Die Arbeiterkammer werde sich um die Betroffenen Mitarbeiterinnen kümmern und dafür sorgen, dass alle offenen Ansprüche beglichen werden. (red)

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