Lebenslang für Steirer wegen Mordes an zwei Pensionistinnen

8. Oktober 2003, 13:00
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36-Jähriger war in einem Fall geständig

Graz - Lebenslange Haft lautet das Urteil für einen 36 Jahre alten Steirer, der angeklagt war, zwei Pensionistinnen ermordet zu haben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Angeklagte erbat sich drei Tage Bedenkzeit. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.

Dem Angeklagten Erich H. wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, eine Frau erdrosselt und eine zweite mit einem Fleischhammer erschlagen zu haben. Motiv soll Geldnot gewesen sein. In einem Fall zeigte sich der 36-Jährige geständig, er will allerdings nicht vorsätzlich gehandelt haben. Den ersten Mord, der bereits 13 Jahre zurückliegt, leugnetr er.

"Ich habe sie umgebracht, aber nicht kaltblütig", versuchte sich der Angeklagte zu rechtfertigen. Gemeint ist der Mord an der 74 Jahre alten Hermine M. aus Graz im Dezember des vergangenen Jahres. Der mutmaßliche Täter, ein zweifacher Familienvater, stand mit der Frau in einer engen Beziehung. Er hatte für die Pensionistin öfter kleinere Arbeiten erledigt und war ihr auch im Haus zu Hand gegangen. Kurz vor der Bluttat hätte Hermine M. den Angeklagten angerufen, weil sie wollte, dass er eine Katzenkiste für sie zimmert.

Sparbücher in Küchenschrank entdeckt

H. kam zwar nicht gleich, aber am übernächsten Tag. Er hatte sich krank gemeldet, weil er "keinen Bock" hatte, arbeiten zu gehen. Bei der Pensionistin angekommen, entdeckte H. in einem offenen Küchenschrank die Sparbücher der betagten Frau. Auf die Frage des vorsitzenden Richters, Wolfgang Wladkowski, warum er sich die Sparbücher überhaupt näher in Augenschein genommen hatte, meinte der Angeklagte: "Ich bin halt neugierig gewesen".

"Ich wollte nur, dass sie leise ist"

Als Hermine M. den 36-Jährigen mit den Büchern in der Hand sah, habe sie plötzlich zu schreien begonnen. Sie habe ihn beschimpft, wollte die Polizei rufen, so der Angeklagte mit weinerlicher Stimme: "Ich wollte nur, dass sie leise ist und dann habe ich den Fleischhammer in der Küche liegen gesehen - da bin ich explodiert". Er hätte dann zwei bis drei Mal hingehauen und dann sei plötzlich ein "roter Vorhang" vor ihm gewesen. "Ab da weiß ich nichts mehr", so der Familienvater. Auch an die Schere, die in der Brust der 74-Jährigen steckte, konnte er sich nicht erinnern.

Danach steckte H. den Hammer in ein Plastiksackerl, nahm die Sparbücher mit und verschwand. "Wann ist es ihnen gedämmert, was sie getan haben?", fragte der Richter. "Erst bei der Einvernahme der Polizei", so der 36-Jährige. "Wissen Sie, Sie sind nicht mein erster Mordfall, aber dass ist die fantasievollste Geschichte, die ich seit langem gehört habe", entgegnete Wladkowski.

Mit dem ersten Mord vor 13 Jahren will Erich H. überhaupt nichts zu tun haben. Er hätte zwar auch für Johanna D. Besorgungen erledigt, aber er hätte ihr "kein Haar gekrümmt" und sei nach wie vor überzeugt, dass die Erdrosselung mit dem Halstuch der 80-jährigen Pensionistin ein Unfall gewesen ist. (APA)

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