Erste Kündigungen bei Hettlage

14. Oktober 2003, 11:25
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Arbeiterkammer sieht Skandal - Unternehmen hatte Mitarbeiter um 100 Stunden Gratisarbeit "gebeten"

Wien - "Eine Mitarbeiterin der Firma Hettlage hat uns in der Bezirksstelle Amstetten darüber informiert, dass die ersten Kündigungen ausgesprochen wurden", berichtete am Dienstag Josef Staudinger, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich. Die Vorgeschichte laut AKNÖ-Aussendung: In einem Brief der Geschäftsleitung waren die Mitarbeiter "gebeten" worden, 100 Stunden gratis zu arbeiten. Begründet wurde diese Aufforderung zur "Solidarität" mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Unternehmens.

Die Münchner Geschäftsleitung von dem Modehändler Hettlage habe versichert, es liege bei jedem einzelnen Mitarbeiter, auf das Angebot einzugehen oder nicht. Es werde den Beschäftigten daraus kein Nachteil erwachsen. "Das Vorgehen von Hettlage ist völlig inakzeptabel. Da werden Leute unter Druck gesetzt, die ohnehin in einer äußerst schwierigen Lebenssituation sind", kritisierte Staudinger, der von einem "unmoralischen Angebot" der Unternehmensleitung sprach.

Kein Einzelfall

Der Fall Hettlage ist laut AKNÖ kein Einzelfall. "Immer wieder werden Fälle bekannt, in denen Unternehmen das Arbeitsrecht ignorieren. Da werden Kollektivverträge umgangen, Arbeitsleistungen nicht honoriert oder unmenschliche Arbeitszeiten verlangt", so Staudinger. "Ist viel zu tun, werden die Leute zu Hause angerufen, dass sie in die Firma kommen sollen, ist wenig zu tun, werden sie heim geschickt. Das ist moderne Sklaverei." Gleichzeitig würden sich Firmen, die derart unseriös vorgehen, Vorteile im wirtschaftlichen Wettbewerb verschaffen. Staudinger: "Es muss daher auch im Interesse der Wirtschaftskammer sein, hier aktiv zu werden."

Zudem seien zwei der in Amstetten von der Kündigung betroffenen Frauen über 50 Jahre alt. Der AKNÖ-Präsident ist empört: "Sie haben kaum eine Chance auf einen anderen Arbeitsplatz. Und wie sollen sie je die Voraussetzungen für eine Pension erreichen, von der sie auch leben können? Wir alle wissen, welche Chancen Frauen am Arbeitsmarkt haben, die älter als 45 Jahre sind. Diese Situation wird von Hettlage schamlos ausgenützt."

Umfassendes Umdenken

Die AKNÖ will sich nun betroffenen Mitarbeiter kümmern und dafür sorgen, dass alle offenen Ansprüche beglichen werden. "Uns ist jedoch bewusst, dass das für die Betroffenen das Problem nicht löst. Hier muss wirklich ein umfassendes Umdenken einsetzen. Ich appelliere an alle Unternehmer, sich bewusst zu machen, dass dieser Weg falsch ist, er ist unmenschlich, ungerecht und unmoralisch", so Staudinger. (APA)

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AKNÖ

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