Barrierefrei ins Internet?

14. Oktober 2003, 13:43
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Praxis hinkt in Österreich weit hinterher - Grazer Studie zeigt noch geringes Bewusstsein der Probleme von Behinderten

Ein barrierefreier Zugang zu Internetseiten wird zwar als wichtig erachtet, in der Praxis lassen die Angebote jedoch zu wünschen übrig. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage, die von der Internetfirma icomedias GmbH gemeinsam mit dem Institut für Ethik und Gesellschaftslehre der Universität Graz durchgeführt worden ist. Dabei geht es um die Einhaltung gewisser Standards in der Gestaltung: Durch entsprechenden Aufbau, klare Navigation oder Wahl der Farben sollen die Seiteninhalte nicht nur für Behinderte, sondern auch mit modernen Pocketgeräten wie Handy und Palmtop einfacher les- bzw. handhabbar sein.

Umfrage

Die Studie basiert auf der telefonischen Befragung von 277 für den Internetauftritt verantwortliche Mitarbeiter aus Bezirks- und Landeshauptstädten, Firmen, Kirchen, Interessenvertretungen und Medien im September 2003. "Auffällig ist der deutliche Unterschied zwischen politisch korrekter öffentlicher Meinung und der Realität in der Umsetzung bei den Verantwortlichen der Websites", so Heidi Simon von icomedias: Rund 86 Prozent der Befragten möchten in Zukunft eine barrierefreie Version ihrer Website anbieten, allerdings wissen rund drei Viertel der überdurchschnittlich erfahrenen Nutzer über die Umsetzung von Barrierefreiheit im Internet nur wenig Bescheid und vermuten hohen finanziellen sowie technischen Aufwand.

Handlung

"Gesetze alleine werden nicht ausreichen", resümiert Simon. "Das Defizit liegt im persönlichen Verstehen der Wichtigkeit und in dem davon motivierten Handeln." Eine gesetzliche Verpflichtung, Sites so gestalten zu müssen, dass sie etwa auch von Blinden gelesen werden können, gibt es in Österreich noch nicht. In den USA gibt es seit 2001 ein Gesetz, wonach neue Sites entsprechend zu gestaltet sind, Deutschland folgte ein Jahr später. (APA)

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