ETA bedroht Journalisten des baskischen Regionalfernsehens

18. Oktober 2003, 10:10
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Chefredakteur Ortuzar: Redakteure verunsichert

Seit Monaten bedroht die baskische Terrororganisation ETA Redakteure des baskischen Regionalfernsehens- und Radios EITB. Chefredakteur Andoni Ortuzar erklärte am Montag, sowohl leitende Redakteure als auch Journalisten, die nicht einmal über Politik schreiben, hätten mehrere Drohbriefe der Terroristen erhalten.

Zu positive Berichterstattung über spanische Polizei

ETA kritisiere, der Regionalsender sowie das Radio würden zu positiv über die Aktionen der spanischen Polizei gegen ETA berichten, verhaftete "Etarras" kriminalisieren, deren Gesichter zeigen und sie anstatt "Freiheitskämpfer" auch noch als Terroristen zu diskriminieren. Außerdem würde der Regionalsender nicht positiv genug über verhaftete ETA-Terroristen berichten und nicht die Gewalt und Folteraktionen der baskischen Polizei Ertzaintza gegenüber den Etarras ausreichend erwähnen.

Chefredakteur Andono Ortuzar berichtete von Verunsicherung unter seinen Redakteuren verunsichert. Sie wüssten, dass es immer weniger brauche, um auf die Todesliste der Attentats-Kommandos der ETA zu kommen. "Wir werden niemals die Namen derjenigen vergessen, die unter der Tarnkappe der Meinungsfreiheit gegen uns und gegen die Unabhängigkeit des baskischen Volkes wettern", heißt es in einem Kommuniqué, welches die baskische Terrororganisation bereits vor zwei Jahren veröffentlichte. Seitdem kam es vor allem in Lokalredaktionen der großen spanischen Tageszeitungen im Baskenland immer wieder zu Sprengstoffattentaten und Drohungen. Vor allem sind es einzelne Journalisten wie der berühmte Radiojournalist Luis del Olmo, die mit Attentaten bedroht werden. Einem Mordversuch entkam er nur knapp.

Begleichtschutz

Viele Journalisten in der nordspanischen Provinz brauchen Begleitschutz, um nicht mit einer Kugel im Kopf zu enden wie José Luis López de Lacalle. Der Kolumnist der Tageszeitung "El Mundo" ist bisher das letzte Opfer der ETA. Vor zwei Jahren ermordete ihn ein ETA-Kommando mit zwei Kopfschüssen aus nächster Nähe. Zahlreiche bedrohte Journalisten haben bereits das Baskenland verlassen und arbeiten in den Madrider Zentralredaktionen. Dass jetzt sogar das eigentlich baskisch-nationalistisch eingestellte Regionalfernsehen ins Visier der ETA gerät, überrascht allerdings. Andoni Ortuzar verkündete, trotz der Drohbriefe wie bisher weiterzuarbeiten. (APA)

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