Karriereplanung "beinhart notwendig"

7. Oktober 2003, 12:44
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Mentoring-Projekt für Jungwissenschafterinnen: Erfahrungsaustausch und Rückhalt statt "Trial und Error" in Isolation

"Das Mentoring war irrsinnig lehrreich - auch für mich selbst", erzählt die Genetikerin Renée Schroeder. Sie leitete eine der elf Mentoring-Gruppen für Frauen an der Uni Wien. Nach zwei Jahren ziehen die Organisatorinnen vom Projektzentrum Frauenforschung nun Bilanz über das Mentoring-Projekt für 41 Jungwissenschafterinnen - von der Dissertantin bis zur Habilitandin: "Vor allem für die Dissertantinnen hat das sehr viel gebracht", erklärt Herta Nöbauer. Denn die MentorInnen erklärten, wie im Wissenschaftsbetrieb der Hase läuft.

Erfahrungsaustausch

Auch Gruppensupervision und Coaching-Module wurden angeboten, in denen der wissenschaftliche Nachwuchs mit Konkurrenz und starrer Uni-Hierarchie umgehen lernt. Wichtig war vor allem der Erfahrungsaustausch, sagt Nöbauer, "sonst arbeiten Wissenschafterinnen isoliert vor sich hin und betreiben Karriereplanung nach dem Motto Trial and Error".

Karriereplanung ist für die 37-jährige Molekularbiologin Claudia Jonak immer noch "ein komisches Wort, aber einfach beinhart notwendig". Die Gruppe habe aber auch emotionalen Rückhalt geboten, ist sie sich mit ihrer Mentorin Schroeder einig. Die gemeinsamen Abende ihrer Gruppe seien regelrecht zum Kult geworden, erzählt Schroeder. Wobei: "Es muss halt die Chemie stimmen", so die Wittgenstein-Preisträgerin.

Konferenz in Wien

Nicht bei allen Gruppen hat das so gut funktioniert, "es gab auch einzelne Hürden zu nehmen", gibt Nöbauer zu. "Und man kann gar nicht oft genug betonen, wie zeitintensiv ein solches Programm für alle Beteiligten ist." Das kurzfristige Ziel wurde jedenfalls erreicht: "Wir haben ein Modell entwickelt, das man nun auch an anderen Unis umsetzen könnte." Um so auch dem langfristigen Ziel - den Frauenanteil von derzeit sieben Prozent bei den ProfessorInnen und 26 bei den AssistentInnen zu steigern - näher zu kommen.

Diskutieren will man das Modell auf einer internationalen Konferenz von 5. bis 6. November in Wien. Bis dahin sollte auch klar sein, ob an der Uni Wien ein neues Mentoring-Projekt finanziert wird. Das alte zieht inzwischen seine Kreise: "Unsere Gruppe hat beschlossen, das weiterzuführen", berichtet Schroeder. Und auch im Zentrum Molekularbiologie in der Wiener Bohrgasse will Schroeder ein Mentoring-Netzwerk implementieren. (DER STANDARD, Printausgabe 04./05.10.2003)

Von Heidi Weinhäupl

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