AK-Frauenredaktion warnt vor falschen Schlüssen aus WIFO-Studie

8. Oktober 2003, 10:29
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Familien-Besteuerung würde AlleinerzieherInnen noch mehr belasten

Linz - Kinder kosten. Wieviel, das legt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) offen. Die AK-Frauenredaktion warnt davor, aus dieser Studie die falschen Schlüsse zu ziehen. Ein Abgehen von der derzeit geltenden Individualbesteuerung wäre jedenfalls kontraproduktiv. Im Rahmen der Wifo-Studie wurden sowohl die direkten Kosten für Verpflegung etc. als auch die indirekten Kosten aufgrund des Einkommensverlustes von Müttern durch Berufsunterbrechungen, Ausstieg, Teilzeitarbeit und Jobwechsel ausgewiesen.

Differierende Kosten

Die direkten Kosten belaufen sich demnach auf durchschnittlich rund 520 Euro pro Kind und Monat in einem Alleinerzieherinnen-Haushalt und 480 Euro in einem Paarhaushalt. Dazu kommen die sogenannten indirekten Kosten, sie betragen bei einer berufstätigen Frau mit einem Kind gegenüber einer kinderlosen Frau 540 Euro. Eine Frau, die ihre Berufstätigkeit aufgegeben hat, verliert rund 1250 Euro pro Monat.

Manche konservative PolitikerInnen sehen darin eine Bestätigung für die immer wieder erhobene Forderung nach einer stärkerer Berücksichtigung von Versorgungskosten im Steuersystem und nach einem Umbau der jetzigen Individualbesteuerung in Richtung Familienbesteuerung.

Nachteile gegenüber Kinderlosen würden sich steigern

Die AK-Frauenredaktion meint, das sei kurzsichtig und würde letztlich sogar dazu führen, dass die Wohlstandsnachteile von Familien gegenüber Kinderlosen noch größer werden. Denn der überwiegende Anteil der Kosten liegt in den fehlenden oder reduzierten Erwerbseinkommen von Müttern. Eine Familienbesteuerung würde erwerbstätige Mütter indirekt bestrafen und sie erst recht aus dem Arbeitsmarkt locken. Die Alternative kann nur sein, die Rahmenbedingungen für Väter und Mütter so zu gestalten, dass Beruf und Familie für beide gut vereinbar sind und dass Mütter wegen fehlender passender Kinderbetreuungsangebote nicht länger gezwungen werden zum längeren Berufsausstieg!

Ein weiterer zentraler Ansatzpunkt liegt nicht zuletzt auch in der Beseitigung der Einkommensdiskriminierung von Frauen generell und insbesondere von Müttern. Denn verheiratete vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen laut einer neuen Untersuchung von Statistik Austria bereits in der Altersgruppe der Unter-25-Jährigen weniger als vergleichbare ledige Frauen. (red)

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