Roland Geyer wird Intendant im Theater an der Wien

7. Oktober 2003, 19:15
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Kathrin Zechner übernimmt Leitung von Raimund Theater und Ronacher

Wien - Der Wiener Musikintendant Roland Geyer (50) wird ab 2007 neuer Intendant des Theaters an der Wien. Dies gaben Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und Kulturstadtrat Andreas Mailath- Pokorny (SPÖ) am Dienstag bekannt. Das derzeitige Musical-Haus soll ab 2007 als "Musiktheater des 21. Jahrhunderts" geführt werden, als orchestrale Basis des Hauses werden die Wiener Symphoniker fungieren. Der neue Intendant sprach sich für Spielplan-Absprachen zwischen Staatsoper, Volksoper und Theater an der Wien aus.

Ex-ORF-Programmintendantin Kathrin Zechner (40), zuletzt von der Stadt Wien mit der Erarbeitung eines künftigen Bespielungs-Konzepts für Raimund Theater und Ronacher beauftragt, wird auch die Leitung der beiden Häuser übernehmen.

Roland Geyers ungewöhnliche Karriere

Wirtschaftsmathematiker, Sportwissenschafter, Kulturmanager und Festival-Macher: Anfangs herb kritisiert, verhalf er dem Wiener "KlangBogen" und den von ihm konzipierten und ins Leben gerufenen "OsterKlang" in den vergangenen Jahren zu großer Anerkennung.

1996 trat Geyer seine Stelle als Wiener Musikintendant an, der Vertrag hatte sich im Sommer automatisch bis 2006 verlängert. In den vergangenen Monaten hatte er jedoch Interesse daran bekundet, ein ehrenvolles Angebot aus Graz anzunehmen. Doch die Verhandlungen mit der Murmetropole, wo man ihn ab September 2004 als Geschäftsführer der neuen Opern-Gesellschaft verpflichten wollte, hat Geyer von sich aus abgebrochen.

1952 in Wien geboren, studierte Geyer nach der Matura Wirtschaftsmathematik an der TU Wien, Sportwissenschaften an der Universität Wien sowie Kulturmanagement an der Wiener Musikhochschule und schrieb vier Lehrbücher über Software-Design und Programmierung. Ab 1977 war er fünf Jahre lang als EDV-Analytiker in einer Computerfirma und als EDV-Ausbilder am Wirtschaftsförderungsinstitut Wien tätig. In seiner Freizeit organisierte er regelmäßig diverse Sport- und Kulturprojekte, bevor er 1982 von der Stadt Amstetten das Angebot erhielt, das städtische Kultur- und Sportwesen neu aufzubauen. Geyer gründete die Amstettener Sommerfestspiele (1983) und machte Amstetten zu einem wichtigen Musicalspielort.

Jeunesse

Von 1987 bis 1996 war Geyer als alleiniger Geschäftsführer bzw. Generalsekretär der Jeunesse Musicale Österreich tätig und organisierte in dieser Zeit mit seinen rund 60 Mitarbeitern rund 3.500 Konzerte mit über einer Million Besuchern österreichweit. 1987 gründete er gemeinsam mit dem Dirigenten Manfred Honeck das Wiener Jeunesse Orchester.

1990 rief Geyer das jährliche internationale Herbstfestival der Jeunesse in Wien ins Leben, deren sieben von Geyer organisierte Ausgaben jeweils einem wichtigen Komponisten des 20. Jahrhunderts gewidmet waren und die Bedeutung der Jeunesse über die österreichischen Landesgrenzen hinaus bekannt machten. Daneben war Geyer als Kuratoriumsmitglied in den Internationalen Jeunesse Musicales tätig, von 1995 bis 1997 auch als Präsident des Jeunesse Weltorchesters.

Als Wiener Musikintendant ist Geyer für jährlich rund 70 Veranstaltungen (Konzerte und Musiktheaterproduktionen) verantwortlich. Außerdem fungiert er als Vorstandsmitglied beim Festival "Wien Modern", bei den Wiener Symphonikern und beim Gustav Mahler Jugendorchester.

Geyer nahm verschiedene Lehraufträge, unter anderem an der Musikuniversität Wien und an der HTL Wien X (Mathematik), wahr. 1995 wurde Geyer mit dem "Ordre des Arts et des Lettres" des französischen Kulturministeriums für Verdienste um die französische Musik in Wien ausgezeichnet, 2002 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. (APA)

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    Roland Geyer

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