Telefonieren statt Dateien tauschen

15. Oktober 2003, 11:35
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Kazaa-Entwickler übertragen Peer-to-Peer-Technik auf die Telekommunikation - Skype will "Telefongesellschaft der Zukunft"werden

Der Austausch von Musikdateien über beliebig viele Computer mit Internet-Anschluss bringt die Teilnehmer immer wieder in Konflikt mit dem Urheberrecht. Jetzt haben die Entwickler von Kazaa dieses Peer-to-Peer-Konzept (P2P) auf die Telekommunikation übertragen - und bei der eigenen Stimme können fremde Copyright-Ansprüche kaum verletzt werden. Die Software ist noch im Beta-Stadium, funktioniert aber bereits gut, heißt es. Und die Betreiber von "Skype" - so der Name des neuen Angebots - haben weit gespannte Ziele.

"Wir wollen Skype zur Telefongesellschaft der Zukunft machen"

"Wir wollen Skype zur Telefongesellschaft der Zukunft machen", sagt der schwedische Firmenchef Niklas Zennstrom in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Die Technik der traditionellen Telefonnetze sei mehr als 100 Jahre alt und einfach nicht flexibel genug. Bisher können die Skype-Nutzer nur untereinander telefonieren - sofern Mikrofon und Lautsprecher an ihrem PC angeschlossen sind. Längerfristig wollen Zennstrom und sein estnischer Partner Janus Friis es aber auch möglich machen, reguläre Festnetz- oder Mobilanschlüsse über Skype zu erreichen.

Für Windows 2000 oder XP

Die Software - zurzeit ist die Version 0.93 aktuell - kann bisher nur auf einem Computer mit Windows 2000 oder XP installiert werden. Für die Internet-Verbindung reicht bereits ein Modem - für eine anständige Sprachqualität sollten Skype-Nutzer aber mit ISDN oder noch besser mit DSL ins Netz gehen. Damit die Vertraulichkeit privater Gespräche bewahrt bleibt, werden die Daten automatisch verschlüsselt.

Disc-Jockeys des estnischen Radiosenders KUKU haben Skype bereits für Live-Interviews mit Hörern verwendet. Und auch der Internet-Berater Linar Viik ist mit Skype zufrieden: "Die Klangqualität ist annähernd so gut wie die am Telefon."

Begrenzte Teilnehmerzahl

Als Hauptnachteil des Systems nennt Viik die begrenzte Teilnehmerzahl - auch wenn der Download-Zähler von Skype seit dem Start am 29. August bereits die Marke von einer Million überschritten hat. "Ich denke nicht, dass dies den regulären Telefondienst ersetzen kann. Aber es könnte eine Nischenfunktion erfüllen, etwa für Niederlassungen eines Unternehmens."

Dezentrales Netz

Zwar bieten auch Instant-Messaging-Systeme wie die von Microsoft und Yahoo neben der Echtzeit-Übermittlung von kurzen Textmitteilungen auch die Übertragung von Sound an. Aber bei Skype kommt kein zentrales Verzeichnis von Teilnehmeradressen zum Einsatz, um jederzeit zu ermitteln, wer gerade online ist. Stattdessen wird die Funktion eines solchen Verzeichnisses von den ans dezentrale Skype-Netz angeschlossenen Rechnern übernommen. Und das System ermittelt den kürzesten und schnellsten Weg der Übertragung, um eine möglichst hohe Übertragungsqualität zu gewährleisten. Die Software soll nach Angaben Zennstroms so weiterentwickelt werden, dass auch Telefonkonferenzen mehrerer Teilnehmer möglich werden.

Die Basisversion des Programms soll weiter kostenlos abgegeben werden. Die Firma plant jedoch auch eine kostenpflichtige Version mit zusätzlichen Funktionen.

Zennstrom und Friis kamen 2001 mit Kazaa heraus, das bisher rund 300 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Unter der Drohung juristischer Schritte gegen die Verwendung von Kazaa für den Austausch urheberrechtlich geschützter Musik verkauften die beiden ihre Rechte im vergangenen Jahr an ein australisches Unternehmen.

"An uns werden hohe Erwartungen geknüpft."

Die drei Kazaa-Programmierer Ahti Heinla, Priit Kasesalu und Jaan Tallinn sind auch die Hauptentwickler von Skype. Allein schon der Name von Kazaa bescherte dem Skype-Projekt beim Start einen kräftigen Schub. "Man bekommt einfach mehr Aufmerksamkeit, wenn man vorher schon etwas gemacht hat", sagt Zennstrom. "An uns werden hohe Erwartungen geknüpft." (Von Michael Tarm/AP)

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