Erhöhter Frauenerwerb durch Ganztagsschulen

7. Oktober 2003, 13:29
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AK-Präsident Tumpel: Internationale Studien belegen Erhöhung um 30 Prozent - SPÖ will Hälfte der Schulen ganttägig

Wien - "Durch den Ausbau von ganztägigen Schulen könnte die Frauenerwerbsquote angehoben werden", sagt AK-Präsident Herbert Tumpel. Derzeit liegt die Erwerbsquote von Frauen mit Kindern unter 15 Jahren bei 67,5 Prozent. Zum Vergleich: Die skandinavischen Staaten, die über ein ganztägiges Schulwesen verfügen, haben eine Frauenerwerbsquote von über 80 Prozent.

Weibliche Fachkräfte gefordert

Nach 2010 wird es auf Grund der geburtenschwachen Jahrgänge sowie der steigenden Anzahl von Pensionierungen einen zunehmenden Fachkräftebedarf geben. Gerade die Frauen haben im Hinblick auf das Qualifikationsniveau in den letzten Jahrzehnten beträchtlich aufgeholt. Um dem steigenden Bedarf an Fachkräften im nächsten Jahrzehnt besser entsprechen zu können, ist die Anhebung der Frauenerwerbsquote auch bei der Gruppe mit schulpflichtigen Kindern erforderlich.

"Nur ein hochqualitatives Betreuungsangebot in den Schulen - und hier vor allem bei den Volksschulkindern - wird die Berufstätigkeit ansteigen lassen", betont Tumpel. Zusätzliche Arbeitsplätze werden dadurch auch im Schulbereich geschaffen. Dieser Beschäftigungseffekt bei nicht erwerbstätigen Frauen mit Kindern unter 15 wird auf Grund zweier internationaler Studien auf 28 bis 30 Prozent geschätzt.

Dilemma Kinderbetreuung

In einer AK Studie aus dem Jahr 2002 gaben Frauen an, auf Grund fehlender Nachmittagsbetreuung in deutlich höherem Ausmaß berufliche Nachteile hinnehmen zu müssen (40 Prozent versus 22 Prozent bei den Männern). Ein Drittel derer, die derzeit in Teilzeit arbeiten, wählte die verkürzte Arbeitszeit wegen der Kinderbetreuung. Mit der Teilzeitarbeit ist für ein Viertel der Betroffenen eine geringere innerbetriebliche Aufstiegsmöglichkeit verbunden. Beschäftigte im Handel sind am stärksten mit beruflichen Nachteilen konfrontiert. Rund 50 Prozent dieser Gruppe gaben entsprechende Probleme an.

Schulische Betreuung bevorzugt

Die AK Studie besagt, dass Eltern der schulischen Betreuung den Vorzug geben und qualitative Verbesserungen bei der Nachmittagsbetreuung wünschen. Dabei geht es den Eltern nicht nur um die unmittelbare Entlastung, wichtig ist auch die Betreuungsqualität.

Gewünscht wird mehr Unterstützung bei der Lernbetreuung und Förderung der Fähigkeiten des Kindes, eine Verbesserung bei Essen und Verpflegung sowie geringere Kosten. 11 Prozent der Eltern gaben an, kein Geld für Nachmittagsbetreuung erübrigen zu können. Daher fordert die AK, bei den Elternbeiträgen eine Sozialstaffel nach dem Haushaltseinkommen einzuführen, wie es in Wien bereits erfolgreich praktiziert wird.

SPÖ will Hälfte der Schulen als Ganztagsschulen

Dies forderte SPÖ-Chef Gusenbauer am Dienstag. In den kommenden zehn Jahren sollten zunächst vor allem an Volks- und Hauptschulen 100.000 Ganztagsschulplätze geschaffen werden. Neben pädagogischen Vorteilen wie der Entlastung der SchülerInnen vom Schulstress und mehr Möglichkeiten zur individuellen Förderung erwartet sich die SPÖ davon auch positive Auswirkungen auf die Beschäftigung von Frauen.

Fünf-Tage-Woche

Gusenbauer schwebt an den Ganztagsschulen eine Fünf-Tage-Woche mit verpflichtender Anwesenheitszeit von 8.30 bis 16.30 Uhr vor, wobei allerdings schulautonom Änderungen möglich sein sollen. Davor und danach soll es auf freiwilliger Basis ein Frühprogramm (ab 07.00 Uhr) mit Frühstück und freizeitpädagogischem Programm bzw. ein Nachmittagsprogramm mit Lernbetreuung und Freizeitmöglichkeiten (bis 18.00 Uhr) geben. Dafür und für das Mittagessen sollen auch sozial gestaffelte finanzielle Beiträge der Eltern eingehoben werden.

Der Unterricht am Vor- und Nachmittag solle in Abwechslung mit Sport, musischer Betätigung und einem gemeinsamen Essen durchgeführt werden, betonte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser: "Es braucht niemand Angst haben, dass die fünf Stunden am Tag jetzt verdoppelt werden." (red/APA)

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    Laut AK-Studie wünschen sich Eltern nachmittägliche schulische Betreuung - Ak will Elternbeiträge sozial staffeln.
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