Börsenpolizei warnt jetzt vor Anlagebetrug

13. Oktober 2003, 16:44
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Erstmals stellt die FMA nun einen unseriösen Finanzberater an den Pranger

Wien – Die heimische Börsenpolizei FMA (Finanzmarktaufsicht) warnt erstmals in ihrer Geschichte konkret vor der Gefahr von Anlagebetrug. Mit der "Cambridge Global", Bürositz im Twin-Tower im zehnten Wiener Gemeindebezirk, sollten keine Geldanlagegeschäfte getätigt werden. Gegen dieses Unternehmen laufen bereits in Schweden, Großbritannien, den Niederlanden und in Irland Verfahren wegen Anlagebetrugs, so die FMA.

Rotarier, Ärzte, Rechtsanwälte – Freiberufler, die besser verdienen und sich über Angebote freuen, wie sie eventuell auch unversteuertes Geld "höchst profitabel" anlegen können, sind die Zielgruppe der Cambridge Global. Verkauft würden hochriskante Derivate und auch Einzelaktien, so die FMA. Sobald Geld von den "Opfern" eingesammelt sei, werde das Büro zugesperrt, niemand sei mehr erreichbar.

Ohne Berechtigungen

Aufmerksam geworden ist die FMA durch mehrere telefonische Anfragen zur Seriosität der Cambridge Global. Zu erreichen war auch Dienstag in diesem Büro niemand. Die Akquisiteure bedienten sich auch einer verbotenen Methode, des so genannten Cold Calling. Das sind Anrufe bei möglichen Kunden, ohne dass diese die "Anlageberater" zu einem Gespräch eingeladen haben. Laut heimischer Gesetzgebung fehlen Cambridge Global auch sämtliche Berechtigungen für Beratung, Vermittlung oder Verwaltung von Geldanlagen in Österreich.

Einschreiten werden die heimischen Behörden, etwa die Wirtschaftspolizei, wohl nicht, denn: Dazu braucht es eine Tat, also die Beschwerde eines Geschädigten. Genau das ist aber meistens das Problem beim Aufspüren von Anlagebetrügern, vor allem wenn den "Opfern" Schwarzgeld abgenommen wurde. "Die Scham der Geschädigten ist meistens zu groß", erklärt Manfred Neubauer, Spezialist in der niederösterreichischen Arbeiterkammer (AK). Sie schätzt die Geldvernichtung durch Anlagebetrüger in Österreich auf derzeit rund fünf Milliarden Euro. "Cambridge-Opfer" hätten sich noch nicht gemeldet, aber "das ist auch nicht unbedingt unsere Klientel".

Nicht die letzte Warnung

Konsumentenschützer und AK, auch die Betrugsbekämpfer der Internationalen Handelskammer (ICC) in Wien warnen zwar fortlaufend vor Anlagebetrügern, Pyramidenspielen und Abzockern im Internet. Dass die FMA einen so massiven Schritt tut, ist allerdings neu. "Zum Schutz der Anleger und der seriösen Anbieter", erklärt FMA-Vorstand Kurt Pribil, "werde diese Warnung nicht die letzte sein."

So argumentiert Pribil auch, was die so genannte schwarze Liste auf der Homepage der FMA betrifft. Dort sind alle Finanzberater aufgelistet, die keine Konzession haben und bestimmte Leistungen daher nicht erbringen dürfen. Aus der Beraterbranche gibt es immer wieder heftige Proteste gegen diesen "Pranger". Allerdings: Wer Geldanlageprodukte bei nicht konzessionierten Verkäufern erwirbt, geht nicht nur ein höheres Risiko ein, sondern hat im Schadensfall recht schlechte Karten. (Karin Bauer, DER STANDARD Printausgabe, 8.10.2003)

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