Oberösterreich: Böses Blut nach großer Flut

8. Oktober 2003, 09:52
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Hochwasser-Opfer wollen neue Häuser bauen - Umwidmung spießt sich - Naturschutz-Landesrätin gibt Grünes Licht

Die Absiedelung von Hochwasseropfern aus den betroffenen Gebieten im Bezirk Perg in Oberösterreich war nach der Jahrhundertflut im August 2002 eine der wichtigsten ins Auge gefassten Maßnahmen. Bei einem konkreten Projekt in der Gemeinde Saxen sorgt diese Absiedelung jetzt aber für böses Blut.

Es geht um den Ortsteil Eizendorf in Saxen, genauer gesagt um ein Dutzend Häuser. Die Bewohner sind zur Absiedelung bereit, sie wollen ihre neuen Häuser auf einem Hügel in Saxen errichten, den so genannten "Kehlbachgründen". Der Haken dabei: Diese Gründe sind bis jetzt als Grünland und Waldgebiet, nicht aber als Bauland ausgewiesen.

Bilder vom August 2002 wieder vergessen

Roland Windischhofer von der "Interessengemeinschaft" der Absiedler sagte, man habe schon vor Monaten allen Zuständigen beim Land das Projekt Kehlbachgründe präsentiert. Von verschiedenster Seite sei Unterstützung zugesagt worden, geschehen sei aber bist heute nichts. "Manchmal glaube ich, die Verantwortlichen haben die Bilder vom August 2002 schon wieder vergessen", sagt Windischhofer, "ich kann das leider noch immer nicht".

Umwandlung von Grün- in Bauland

Im Büro des zuständigen Landeshauptmann-Stellvertreters Franz Hiesl (V) sieht man die Sache allerdings anders. Sämtliche Fachabteilungen des Landes - vom Umwelt- und Naturschutz über die Forstabteilung bis zur Raumordnung - hätten die Ansiedelung auf den Kehlbachgründen negativ beurteilt. Es müssten dort unter anderem mehrere Hektar Wald gerodet und Grünland in Bauland umgewidmet werden. Diese negativen Expertisen der Fachleute des Landes seien inzwischen dem Gemeinderat von Saxen übermittelt worden.

Vor allem aber verweist man im Büro von Hiesl darauf, dass es in Saxen zwei Alternativen für die Absiedler aus den Hochwassergebieten gebe, jeweils Areale, die bereits als Bauland gewidmet sind und die sich für die neuen Häuser der Hochwasseropfer eignen würden. Daher bestehe keine Notwendigkeit, ausgerechnet auf den Kehlbachgründen zu bauen.

Interessensabwägung

Was die Bedenken der Naturschutzabteilung beim Land anlangt, teilte die zuständige Landesrätin Silvia Stöger (S) allerdings am Dienstag mit, dass sie als Naturschutzreferentin trotzdem Grünes Licht für die Umwidmung der Kehlbachgründe in Bauland gebe. Es gehe hier um eine Interessensabwägung und das Bemühen um eine Lösung für die Hochwasseropfer habe Priorität, so Stöger.

Jetzt liegt der Ball beim Gemeinderat von Saxen. Dieser muss entscheiden, ob er die erwähnten Kehlbachgründe in Bauland umwidmet oder nicht. (APA)

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