Revival für die Nachkriegsgeneration

15. Jänner 2004, 09:14
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"Sing, Baby, sing" in den Wiener Kammerspielen

Erst im Rückblick ergibt die in Jahrzehnte gefasste Zeit scheinbar sinnvolle Einheiten. Die Arbeit am Revival, die populäre Form des kollektiven Gedenkens, setzt uns die 80er- und 90er-Jahre als geschliffene Produkte vor.

Dort, wo die mittlere Generation ihrem Geschichtsverlust nachspürt, ab den 70er-Jahren, ist ihre Elterngeneration damit schon fertig: Diese sucht in den Jahrzehnten davor nach konstituierenden Elementen ihres Aufwachsens: das Transistorradio, "Das bisschen Haushalt", Caterina Valente. Und findet sie alle in einer Produktion des Stadttheaters Klagenfurt, die Hans Gratzer derzeit in seinen Wiener Kammerspielen zeigt. "Sing, Baby, sing" ist im ersten Teil ein mit Schlagermedleys vollgehängtes, je nach Modejahrzehnt neu eingekleidetes "Szenchen", in dem "die" Familie einerseits mit der Musik der Kinder und andererseits dem neuen Fernsehgerät hadert. Der zweite Teil ergibt unter unfreiwilliger Publikumsbeteiligung einen Showreigen archaischer Fernsehformate ("Was bin ich?", "Dalli Dalli" etc.).

Alexander Kuchinka hat die Show inszeniert und führt als sich wandelnder Moderator auch durch das Programm: Theater als Gefälligkeit. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 7. 10.2003)

Kammerspiele
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