Der Turnschuh will den Platz nicht kaufen

6. Oktober 2003, 21:05
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Von Thomas Rottenberg

Wien - Das Problem an der Sache: Irgendwas wird "picken" bleiben - schließlich leben "urban legends", urbane Mythen, davon dass irgendwer irgendwann irgendwas aufgeschnappt hat. Egal ob das stimmt oder nicht. Zum Beispiel, dass Nike den Wiener Karlsplatz kaufen und in Nike-Platz umbenennen möchte.

Freilich: Alle Mails und Briefe, in denen seit Ende vergangener Woche empörte Bürger aufgerufen werden, gegen ebenjenen "Ausverkauf" zu wettern, haben erfundene Absender. Und die am Montag mit der Forderung, den Karlsplatz nicht zu verkaufen, an die Öffentlichkeit getretene Bürgerinitiative "Rettet den Karlsplatz" ist seit Jahren vor allem deshalb bekannt, weil keiner ihrer Proponenten - trotz prominent wirkender Namen - existiert. Vorhanden sind lediglich die Homepage der Initiative, eine (gefälschte) Nike-Seite ("Nikeground") und ein vom Verein "Public Netbase" am Karlsplatz aufgestellter Container mit Nike-Logo.

Was da nach medien- und globalisierungskritischem Aktionismus klingt, ist für Nike aber ein Problem: Sobald Logo und Markenidentität "gehijackt" werden, bedauert man, müsse man rechtliche Schritte ergreifen. Weil sonst noch mehr "picken" bleibt als nur eine "urban legend". (DER STANDARD, Printausgabe, 7. 10.2003)

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