Spielekonsole als Nokia-Altersvorsorge

14. Oktober 2003, 14:21
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Die mobile Spielekonsole N-Gage ist das bisher aufwändigste Produkt, mit dem Nokia für das Leben nach dem Handyboom vorsorgen will

Heute, Dienstag, kommt N-Gage in den Handel: ein Handy, das eine Spielekonsole ist, oder - wahlweise - eine Spielekonsole, die auch Telefonieren kann. Vor einem Jahr zum ersten Mal öffentlich angekündigt, setzt Nokia damit beträchtliche Anstrengungen an Investitionen und Marketing, um für das Leben nach dem florierenden Handymarkt vorzubeugen. Denn anbetrachts schwachen Wachstums und gesättigter Märkte ist klar: Handys alleine werden den Glanz von Europas Technologie-Paradeunternehmen nicht erhalten.

339 Euro ohne Subvention

N-Gage ist das erste neue Produkt der frisch geschaffenen Multimedia-Abteilung des Konzerns. Das Gerät ist ein Spielecomputer, der mit 39 bis 59 Euro teuren Spielen ähnlich wie Nintendos Gameboy bestückt wird, und nicht nur ein Handy mit einfach gestrickten Java-Spielen. Um 339 Euro ohne Subvention durch Netzbetreiber ist es in Anbetracht seiner Ausstattung relativ billig, wenngleich wesentlich teurer als ein Gameboy (130 Euro) oder stationäre Konsolen wie PlayStation 2 oder Xbox (200 Euro).

Bluetooth

"Die N-Gage ist die erste mobile Spielekonsoloe mit Onlinefunktionen", beschreibt Thomas Janosik, Produktmanager bei Nokia Österreich, die Positionierung. Der Kick für die neue Spielekonsole soll ihre Fähigkeit sein, über das Handynetz Onlinefunktionen nutzen zu können - etwa gegen "High Scores" anderer Spieler anzutreten oder einen Videoclip zu laden, der Tipps für schwierige Spielpassagen gibt. Mehrere Spieler online zusammenzuspannen ist derzeit noch nicht möglich (mangels Angeboten, nicht mangels Technik) - aber mithilfe der drahtlosen Bluetooth-Verbindung können am selben Ort bis zu vier Spieler gegeneinander antreten.

Nebst Spielen bietet N-Gage die Funktionen der High-End-Handys von Nokia wie Kalender, Adressbuch, Internetbrowser, MP3 und Radio, allerdings keine integrierte Kamera. Die "Wunschzielgruppe", sagt Nokia-Sprecherin Barbara Fürchtegott, sind "18-bis 35-Jährige, die sich, mit Gameboy und Co aufgewachsen, zwischendurch mit Spielen die Zeit vertreiben wollen, keine Hardcore-Gamer".

Bis Weihnachten sollen "einige Zehntausend" Geräte abgesetzt werden

Die Konkurrenz am Markt ist jedoch beträchtlich, und im Spielesegment ist der Handy-Weltmarktführer bis auf weiteres nur ein Zwerg, wenn auch mit gut dotierter Kassa. Bis Weihnachten sollen "einige Zehntausend" Geräte abgesetzt werden. Schon nächstes Jahr wird sich N-Gage nicht nur am relativ einfachen Gameboy, sondern an Sonys neuer mobiler PlayStation messen müssen. Die ist zwar kein Handy, bietet aber WiFi für drahtlosen Onlinezugang, was Telefonkosten spart.(Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 7. Oktober 2003)

  • Der N-Gage von Nokia

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