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15. Oktober 2003, 17:54
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Haider setzt alles daran, den ersten Platz in Kärnten zu verteidigen - von Samo Kobenter

Dass Jörg Haider die Blößen der FPÖ im Kärntner Landtagswahlkampf mit dem stark geschrumpften Feigenblatt seiner Beliebtheit als Landeshauptmann zu verdecken sucht, lässt weniger auf politische Schamhaftigkeit als auf die wilde Bereitschaft zu einem letzten Gefecht schließen. Seine Versicherung, vor dem 7. März nicht nach Wien zu wechseln, sollte hier wie dort nicht als Beruhigung, sondern als Entschlossenheit interpretiert werden, noch einmal zum großen Wurf auszuholen.

Haider setzt alles daran, den ersten Platz in Kärnten zu verteidigen, der seine letzte Chance ist, auf Bundes- und Landesebene einen Rest an Selbstbestimmung zu bewahren. Verliert er gegen die SPÖ - und zwar egal, in welchem Verhältnis -, ist er der ÖVP auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, ohne groß dagegen aufmucken zu können. Ob sich Haider die Demütigung antut, Landeshauptmann von Wolfgang Schüssels Gnaden zu werden, ist völlig ungewiss: Mehr als einmal ist er in den letzten Jahren in depressive Phasen abgeglitten, die ihm diese Funktion nicht aufhellen konnte. Seiner Laufbahn fehlt die Krönung eines Regierungsamtes, und dass er der beste aller Kanzler wäre, wenn man ihn nur ließe, hat er uns ja oft mitgeteilt. Genau das meint sein "Kärnten zuerst, alles andere dann": Gelingt ihm dort ein Wahlsieg, kann sich Kanzler Schüssel seiner Regierung keine Sekunde mehr sicher sein. Keine Frage auch, dass die dahintorkelnden Bundesblauen nach dem starken Arm des Siegers greifen würden - sie hätten keine andere Stütze zu erwarten.

Noch entspricht der Konjunktiv solcher Überlegungen Haiders Traum von der Kanzlerschaft, und ironischerweise entscheidet sich seine Erfüllbarkeit dort, wo das politische Erwachen der Freiheitlichen begonnen hat: in Kärnten. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2003)

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