Nicht ermutigend

10. Oktober 2003, 18:54
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Die neue "Irak-Stabilisierungsgruppe" ist ganz klar ein Anlauf, die Verantwortung neu zu ordnen - von Gudrun Harrer

Dass es vielleicht keine brillante Idee war, den Nachkriegsirak allein den Pentagon-Zivilisten Donald Rumsfeld und Paul Wolfowitz zu überlassen, die gleich von beiden für den Irak essenziellen Dingen nichts verstehen - Sicherheit und "nation building" -, hat sich nun offensichtlich auch bis ins Weiße Haus herumgesprochen: Die neue "Irak-Stabilisierungsgruppe" ist ganz klar ein Anlauf, die Verantwortung neu zu ordnen. Es ist fünf vor zwölf. Manche Experten meinen, wenn man es bis zu Ramadan-Beginn Ende Oktober nicht schafft, die Lage im Irak in den Griff zu bekommen, ist es zu spät.

Rumsfeld, dem man in der US-Regierung nach zwei gewonnenen Kriegen irrigerweise einfach alles zugetraut hat, ist bei US- Präsident George Bush nicht mehr der große Held. Er wird ihn nicht fallen lassen, das wäre ein Zuviel an Eingeständnis, dass die Dinge nicht so laufen, wie sie sollen. Aber nun ist Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice am Zug - die ihre Abteilung, die jetzt die Stabilisierung des Irak organisieren soll, selbst einmal als "nicht operativ" bezeichnet hat, ihre Funktion sei eine beratende. Nicht gerade ermutigend, immerhin war das Resultat ihrer Beratertätigkeit bisher, dass das Weiße Haus monatelang dem sich anbahnenden Desaster zusah und einfach nichts tat.

Aber der mächtige Mann und Einsager der Rumsfelds und Rices bleibt ja ohnehin weiter Vizepräsident Dick Cheney, derjenige also, der mehr als alle anderen dafür bekannt ist, weniger auf die Expertise als auf die ideologische Einstellung der mit dem Irak befassten US-Funktionäre geachtet zu haben - etwa, wie sie zum Exiliraker und bei allen amerikanischen Ölleuten beliebten Mythomanen Ahmed Chalabi standen. Herausgekommen ist bei diesem Ansatz die wasserkopfartige Irakverwaltung CPA (Coalition Provisional Authority), was laut Newsweek in Bagdad für "Condescending Patronizing Americans" ("herablassend bevormundende Amerikaner") steht. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2003)

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