NGO-Symbolfigur Annalena Tonelli erschossen

7. Oktober 2003, 10:08
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Möglicherweise Tat islamischer Fundamentalisten in Somaliland - Nansen Refugee Award-Preisträgerin soll in Italien beigesetzt werden

Ihr humanitärer Einsatz machte sie weltweit zu einer Symbolfigur. Vor drei Monaten hatte ihr die UNO in Genf den Nansen Refugee Award verliehen - den höchsten Preis, den das UN-Flüchtlings-Hilfswerk vergibt. Am Sonntag wurde die Italienerin Annalena Tonelli in ihrem bescheidenen Haus in Borama in Somaliland erschossen aufgefunden.

Dort hatte sie mit Unterstützung der WHO ein Krankenhaus mit 200 Betten und eine Schule für behinderte Kinder errichtet. Seit 33 Jahren kämpfte die selbstlose Ärztin in Afrika gegen Tuberkulose und AIDS. Als Italiens Staatspräsident Carlo D'Azeglio Campi sie mit einer Auszeichnung würdigte, erklärte sie :"Ich bringe keine Opfer. Mein Leben ist reines Glück. Wenige haben ein so schönes Leben wie ich."

Die öffentlichkeitsscheue Italienerin zählte "zwei Kleider, einen Schal und ein Paar Sandalen" zu ihrem Besitz. Zwölf Stunden täglich verbrachte sie in ihrem Krankenhaus. Mit Hilfe deutscher ChirurgInnen erhielten dort über 3000 erblindete Menschen ihr Augenlicht zurück.

Über die Ursachen der Ermordung der 63-jährigen Medizinerin herrscht Unklarheit. Es wird nicht ausgeschlossen, daß die Tat von islamischen Fundamentalisten begangen wurde, denen Tonellis Einsatz gegen die Beschneidung der Frauen ein Dorn im Auge war. Die Regierung von Somaliland hat eine Aufklärung des Mordes versprochen. Annalena Tonelli soll in Italien beigesetzt werden.

Von Gerhard Mumelter aus Rom
  • Seit 33 Jahren kämpfte die selbstlose Ärztin
Annalena Tonelli in Afrika gegen Tuberkulose und AIDS. Am Sonntag wurde sie erschossen aufgefunden.
    foto: epa /keystone/martial trezzini
    Seit 33 Jahren kämpfte die selbstlose Ärztin Annalena Tonelli in Afrika gegen Tuberkulose und AIDS. Am Sonntag wurde sie erschossen aufgefunden.
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