Studienplatzbeschränkung: SPÖ geht auf Distanz zu Broukal-Vorschlag

29. Oktober 2003, 17:35
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Gusenbauer: Nur "Idee, wie man eventuell über diesen Herbst kommt" - Auch Experten üben Kritik - mit Kommentar

Wien - Der Vorstoß von SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal, wonach die Unis in überlaufenen Studienrichtungen Platzbeschränkungen aussprechen könnten, stößt auf wenig Gegenliebe in der SPÖ. Eine Planbewirtschaftung halte er nicht für sinnvoll, betonte SPÖ-Bildungssprecher und Broukal-Vorgänger Erwin Niederwieser bei einer Pressekonferenz am Dienstag. SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer wiederum meinte, dass Broukal angesichts des Abdriftens der Hochschulen zu "Dritte-Welt-Unis" nur "eine Idee geäußert hat, wie man eventuell über diesen Herbst drüber kommt".

Niederwieser wollte zwar angesichts der schon derzeit geltenden Studienplatzbeschränkungen an den Kunstunis und den Fachhochschulen "die Kirche im Dorf lassen". Gleichzeitig meinte er aber, dass die Unis offen gehalten werden müssten und man nicht sagen dürfe, nur so und so viele Personen dürften Jus studieren. Außerdem könne man von vornherein nur schwer prognostizieren, ob ein bestimmtes Studium in Zukunft gute Chancen am Arbeitsmarkt biete - als bestes Beispiel könnten die vor wenigen Jahren noch gepriesenen Informationstechnologie-Ausbildungen dienen.

Kritik der Experten

"Das geht an der Realität der meistbelasteten Unis in diesem Land vorbei." So reagiert WU-Rektor Christoph Badelt auf den Vorschlag von SP- Wissenschaftssprecher Josef Broukal, wonach überlaufene Studienrichtungen die Möglichkeit bekommen sollten, Hörer abzuweisen und auf das nächste Jahr zu vertrösten.

"Das ist nicht zu Ende gedacht. Bei uns würde es dann im nächsten Jahr zu einem noch größeren Stau kommen", gibt Badelt im STANDARD-Gespräch zu bedenken. Im Grunde gehe es um die gesellschaftspolitische Frage, ob man den freien Hochschulzugang auch in jenen Studienrichtungen zulasse, die am Arbeitsmarkt nur geringe Jobaussichten bieten. An der Antwort schwindle sich die Politik seit Jahrzehnten vorbei.

Auch die Grünen können sich mit der Broukal-Idee nicht anfreunden. Man solle "unter der Überschrift Qualitätssicherung der Universität" zwar über alles laut nachdenken dürfen, sagt Grünen-Wissenschaftssprecher und Klinikarzt Kurt Grünewald. Aber der Ball bleibe trotzdem bei der öffentlichen Hand. Denn budgetäre Not dürfe kein Grund sein, Studenten die Aufnahme an der Uni zu verwehren.

Für Bildungsministerin Elisabeth Gehrer "hat sich der freie Hochschulzugang bewährt". Vorstellbar sei aber noch bessere Beratung bei der Studienwahl - sowohl in den Gymnasien als auch in der Studieneingangsphase. Dabei könnte man auch über Jobaussichten informieren.

Wird das Versprechen von Gehrer wahr, dass die Studienbeiträge ab nächstem Jahr an die Unis fließen, dann werden überlaufene Unis besonders profitieren. Was bitter nötig ist. "Wir haben großen Nachholbedarf", sagt Badelt. (APA/Martina Salomon/DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2003)

Kommentar

Trugbild freier Uni-Zugang
von Martina Salomon

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