Kunst zwischen Lehre und Praxis

10. Oktober 2003, 11:33
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Projektzusammenarbeit der Kunsthalle Wien mit Angewandter: "Lobbyismus für Gegenwartskunst" - Neue Internet-Plattform für visuelle Medienproduktionen

Wien - Die Kunsthalle Wien und die Universität für angewandte Kunst Wien werden ihre vor einem Jahr begonnene Zusammenarbeit, die den project space am Karlsplatz als Schnittstelle zwischen Lehre und Praxis und als Veranstaltungsort nützt, nicht nur weiterführen, sondern ausbauen. Zentral ist dabei die neue Mittwoch-Schiene "angewandte@project space", in deren Rahmen sich ab 8. Oktober die Angewandte einmal in der Woche mit Projekten, Vorträgen oder Events präsentieren wird. Das gaben Kunsthallen-Chef Gerald Matt und Angewandten-Rektor Gerald Bast heute, Montag, bei einer Pressekonferenz bekannt.

Lobbyismus für Gegenwartskunst

"In einer Zeit der zunehmenden Musealisierung und der zunehmenden Verlagerung der Gelder auf das Gesicherte und das Touristische ist dieser gemeinsame Lobbyismus für Gegenwartskunst besonders wichtig", betonte Matt. Man müsse angesichts einer "Tendenz, die Revolutionen von gestern als Cocktailhäppchen zu verabreichen und die Irritationen von heute zu meiden" (Matt), verstärkt zusammenarbeiten. Zu der Frage "Gegenwartskunst auf der Verliererstraße?" bereiten die beiden Institutionen für Anfang des kommenden Jahres ein Symposion vor. Damit wolle man, so Bast, "einen Beitrag dazu leisten, dass Gegenwartskunst in der öffentlichen Wahrnehmung und in der öffentlichen Finanzierung aus der Defensive herauskommt."

Präsentation von Internet-Video-Plattform

Am Eröffnungsabend der Kooperations-Leiste "angewandte@project space" (8.10., ab 20 Uhr) wird die neue Internet-Video-Plattform "MMM.ok.ag - Moving Media Multiplicator" der Medienklasse der Angewandten präsentiert. Sie ist als Präsentationsmedium für visuelle Medienproduktionen gedacht. "Jeder hat die Möglichkeit, sich hier relativ einfach eine Öffentlichkeit für seine Medienarbeit zu suchen", meinte Projektleiter Lucas Czjzek. Bereits nach zwei Wochen habe man Einreichungen von KünstlerInnen aus allen Kontinenten. Über eine Art Video-Jukebox können Besucher des project space aus dem gelisteten Angebot auswählen - die abgerufenen Arbeiten werden in der Dunkelheit auch als Großbildprojektion auf der Terrasse der Kunsthalle zu sehen sein. Performances, Konzerte oder Präsentationen sollen das Projekt begleiten.

Dokumentation in Buchform

Resultate eines anderen Projekts der Zusammenarbeit zwischen Universität für angewandte Kunst und Kunsthalle werden in Kürze in Buchform präsentiert. Im März 2002 wurde bei einer Veranstaltungsreihe die "'österreichische' nationalsozialistische Ästhetik" diskutiert. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind nun als erster Band der im Böhlau Verlag erscheinenden "Edition Die Angewandte" zusammengefasst, der am 15.10., 19 Uhr, bei einem Round Table Gespräch vorgestellt wird.

Kunsthallen-Preis 2003 an Maria Pia Lattanzi

Ein weiterer Teil der Kooperation von Kunsthalle und Angewandter ist der Kunsthallen-Preis, der heuer für eine/n Absolventin/en aus den Bereichen Bildende Kunst, Experimentelles Gestalten und Raumkunst der Universität ausgeschrieben wurde. Der Preis für 2003 wurde der Südtirolerin Maria Pia Lattanzi (Jahrgang 1973) aus der Klasse Adolf Frohner für ihren Porträt-Zyklus "Tapetentüren zu Menschenbildern" zuerkannt. Von 17. Dezember bis 9. Jänner 2004 wird die Preisträgerin mit der Weiterentwicklung ihres Projektes eine Ausstellung im project space bestreiten. Außerdem erhält sie ein von der Rechtsanwaltskanzlei Dorda, Brugger & Jordis ermöglichtes dreimonatiges Stipendium in die Delfina Art Studios in London für den Sommer 2004. "Peter Kozek, der im Vorjahr der erste Preisträger war, hat seinen London-Aufenthalt gerade abgeschlossen und war begeistert", berichtete Kunsthallen-Kuratorin Gabriele Mackert. (APA)

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