Sallmutter wirft Regierung wegen Job-Misere "pure Gewalt" vor

12. Oktober 2003, 19:48
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GPA-Chef: Regierung versucht, Arbeitsmarkt-Misere "schönzureden" - AK: Negativtrend wird sich weiter fortsetzen - Arbeitslosenquote heuer über sieben Prozent

Wien - Noch nie in der Zweiten Republik hat es im Monat September mehr Arbeitslose gegeben als heuer. Für GPA-Chef Hans Sallmutter schrillen die Alarmglocken, da es die Regierung bisher offenbar vorgezogen habe die Arbeitsmarktzahlen mit diversen Hinweisen auf internationale Vergleichszahlen "schönzureden". Real sei nichts dagegen unternommen worden. "Pure Gewalt ist das", sagte Sallmutter am Montag am Rande einer Gewerkschaftsveranstaltung in Wien. "Jeder Arbeitslose übt sozialen Druck und Lohndruck aus", so Sallmutter, und das mache es der Regierung damit leicht, ihre Sozialabbau- und Kürzungsprogramme durchzubringen.

Wenn heute hoch qualifizierte Arbeitslose hunderte Bewerbungsschreiben abschicken und im Schnitt 30 bis 40 Bewerbungsgespräche führen müsse, beschleunige das die Einkommensspirale nach unten. "Jeder Personalist weiß, dass er da nichts zahlen muss." Noch schlimmer dran seien die weniger qualifizierten Mitarbeiter.

Beschäftigungsprogramm

Ein Gebot der Stunde ist für den GPA-Boss ein wirksames Beschäftigungsprogramm über die intensive Ankurbelung öffentlicher Investitionen. Die Investitionsquote sei zuletzt drastisch eingebrochen, hier sei anzusetzen. Eine vorgezogene Steuerreform sei nur "eine" Variante, um die am Boden liegende Kaufkraft anzukurbeln. Zu denken müsse den Regierungsverantwortlichen ja auch geben, dass mit der steigenden Zahl von Menschen ohne Arbeit ja nicht nur die Steuer-, sondern auch die Sozialeinnahmen geringer werden. Mit Schalmeientönen, dass man in einzelnen Gruppen von Arbeitslosen international noch vergleichsweise besser liege, sei keinem einzigen geholfen, so Sallmutter.

In der Arbeiterkammer geht man davon aus, dass sich die Negativ-Entwicklung der vergangenen Monate weiter fortsetzen werde. Die positiven Konjunkturmeldungen der vergangenen Wochen werden sich noch nicht auf den Arbeitsmarkt auswirken, da man von einer Verzögerungszeit von einem halben bis zu einem dreiviertel Jahr ausgehen müsse, so der AK-Arbeitsmarktexperte Gernot Mitter zur APA. Wenn man sich die Entwicklung der letzten Monate anschaut, werde die Arbeitslosenquote für das laufende Jahr über 7 Prozent steigen, so Mitter, der sich damit der jüngsten Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) anschließt, das von einer Quote von 7,1 Prozent ausgeht.

Rückgang bei Schulungen

Auf Grund des knappen Budgets für aktive Arbeitsmarktmaßnahmen, sei im weiteren Jahresverlauf mit einem Rückgang bei den Schulungen zu rechen, was sich ebenfalls negativ auf die offiziellen Arbeitsmarktdaten auswirken werde.

Mit 208.502 offiziell registrierten Arbeitslosen im September wurde nicht nur der höchste September-Wert der letzten 20 Jahre, sondern der traurige Rekord seit 1950 erzielt, geht aus der Arbeitsmarktstatistik der SPÖ hervor. Auch in den Monaten August und Juli wurden mit 205.077 bzw. 199.927 Jobsuchenden die Spitzenwerte seit 1950 erzielt. (APA)

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