NÖ: Dürre kostet Bauern 95 Millionen

9. Oktober 2003, 16:58
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Schwarzböck: Im Vergleich mit 1995 ein Viertel weniger Bauern - GAP-Reform darf Abwanderung nicht weiter verstärken

St. Pölten - Niederösterreichs Bauern hätten durch die Dürre 2003 Ertragseinbußen von 95 Mio. Euro zu verzeichnen. Landesweit habe es 30 Prozent weniger Regen als in den vergangenen Jahren gegeben, stellte Landwirtschaftskammerpräsident Rudolf Schwarzböck am Montag in einem Pressegespräch in St. Pölten fest. Das Grünland sei besonders betroffen.

Laut Schwarzböck stehen in diesem Winter 440.000 Tonnen weniger Futter für Rinder zur Verfügung. Gegenüber 2002 wurden außerdem u.a. 100.000 Tonnen weniger Getreide und 145.000 Tonnen weniger Erdäpfel geerntet.

Rindermarkt betroffen

Die Dürre habe auch bereits Auswirkungen auf den Rindermarkt gezeigt, sagte Vizepräsidentin Lieselotte Wolf. Kühe und Kalbinnen seien im Sommer verstärkt geschlachtet worden. Bauern hätten auf die Situation außerdem durch vermehrte Verkäufe von Kälbern reagiert.

Für die Landwirte seien daher dringend nationale Maßnahmen erforderlich, sagte Schwarzböck. Konkret forderte er eine Dürrekreditaktion ähnlich jener im Jahr 2000. Etwa 10 Mio. Euro wären dafür erforderlich.

"trukturelle Ausdünnung"

Schwarzböck äußerte auch die Befürchtung, dass die jüngsten Wetterextreme (Hochwasser 2002, Dürre 2003, Anm.) "die strukturelle Ausdünnung im ländlichen Raum weiter vorantreiben" werde. Im Vergleich mit 1995 gebe es bereits ein Viertel weniger Bauern in Niederösterreich. In den Bezirken Hollabrunn und Mistelbach betrage das Minus sogar 36,9 Prozent.

Die Reform der EU-Agrarpolitik dürfe die Abwanderung aus der Landwirtschaft nicht noch weiter verstärken, betonte Schwarzböck. Gerade die Regionen mit den höchsten diesbezüglichen Zahlen hätten im Zusammenhang mit der bevorstehenden EU-Erweiterung die härteste Konkurrenz-Situation. Es müssten daher sämtliche nationalen Spielräume ausgenützt werden, "um unseren ländlichen Raum zu stärken". (APA)

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    Die Wetterkapriolen fördern die "strukturelle Ausdünnung" des ländlichen Raumes, fürchtet Kammerpräsident Rudolf Schwarzböck

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