Häftlinge werden über Telelernen auf Arbeitswelt vorbereitet

13. Oktober 2003, 12:48
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Projekt "Telfi": Ausbildung an Computern soll Integration nach der Entlassung erleichtern

Computerkurse über Telelernen sollen Häftlingen in Justizanstalten den Einstieg in die Berufswelt und damit ihre Reintegration erleichtern. Bei einem Pressegespräch im Vorfeld der Tagung "Telfi - Telelernen für HaftinsassInnen" im Justizministerium wurde das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Es läuft seit Herbst 2002, bis Ende 2005 sollen etwa 240 Häftlinge in sechs Justizanstalten ausgebildet werden. Die Kurse sollen dann österreichweit zur Verfügung stehen.

Das Projekt will nach Auskunft von Walter Hammerschick, Projektleiter vom Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie, neue Methoden im Strafvollzug "ausprobieren". In den Genuss der Ausbildungen kommen vorerst Häftlinge aus den Justizanstalten Schwarzau, Gerasdorf, Wien-Simmering, Wien-Josefstadt, Stein und Wels. In 40 Kursen werden IT-Grundlagen, Sprachen, Lagerverwaltung, Theoriekurse für Metall- und Holzbearbeitung sowie allgemein bildende, schulische Grundlagen über e-learning vermittelt. Bisher durchgeführt wurden die Ausbildungen IT-Grundlagen und Deutsch als Fremdsprache, 92 Personen konnten bereits die Kurse besuchen.

Die Erfahrungen im Strafvollzug seien gut, hieß es. Zu einer Beurteilung der Maßnahmen in Hinblick auf die Reintegration sei es aber noch zu früh, weil erst wenige Kursteilnehmer entlassen wurden. Konkret konnten zwei Häftlinge vermittelt werden.

Da die Kursplätze beschränkt sind, werden Interessenten einem Auswahlverfahren unterzogen: Insbesondere werde überprüft, ob die Teilnehmer vom Wissen und der Motivation her auch in der Lage sind, die Anforderungen zu erfüllen. Selbstständigkeit sei gefragt: Einmal wöchentlich erhalten die "Schüler" Unterricht von einem Trainer, den Rest der Woche haben sie Zeit, die Aufgaben am Computer zu erledigen. Am Ende jeder Ausbildung steht eine Abschlussprüfung mit Zertifikat, dass nach der Haftentlassung helfen soll, leichter einen Job zu finden.

"Telfi will aber auch aufzeigen, dass viele Strafgefangene den Wunsch und die Motivation haben, an ihren Chancen auf gesellschaftliche und berufliche Eingliederung nach der Haft zu arbeiten", so Projektleiter Hammerschick. Hinter "Telfi" verbirgt sich eine Initiative von 18 Partnerorganisationen, die mit Fördermitteln aus dem Europäischen Sozialfonds und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit unterstützt wird. Involviert sind neben dem Justizministerium etwa Vereine aus dem Bereich der Haftentlassenenbetreuung, die Justizanstalten, das Schulungszentrum Fohnsdorf (ST), der ÖGB, die Wirtschaftskammer Österreich und das AMS. (APA)

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