Rohölpreis geht in Steigflug über

9. Oktober 2003, 12:50
posten

Seit Drosselungsbeschluss der Opec um 16 Prozent verteuert

Wien - Der Ölpreis hat den Steigflug am Montag fortgesetzt. In der vergangenen Woche hat sich die europäische Leitsorte Brent ebenso wie US-Öl (West Texas Intermediate) um fünf Prozent verteuert. Auslöser des Anstieges war die überraschende Förderkürzung durch die Opec am 24. September beim Ministertreffen in Wien. Das Kartell beschloss eine Drosselung der Förderung um 900.000 Fass (je 159 Liter) auf 24,5 Mio. Barrel, um das Angebot zu verknappen. Kostete ein Fass vor dem Treffen 25,24 Dollar, stieg der Preis bis gestern, Montag, um 16 Prozent auf 29,41 Dollar.

Mit beigetragen zum jüngsten Anstieg hat laut dem internationalen Energiebroker PVM der landesweite Streikaufruf von Gewerkschaften im größten afrikanischen Ölförderland Nigeria kommenden Donnerstag. Auch die Zuspitzung der Lage in Nahost trug zur Verteuerung bei.

Saudi-Arabien drosselt Produktion nicht

Es gebe aber auch eine gegenläufige Entwicklung. Laut den Experten von PVM gibt es wenig Beweise dafür, dass Saudi-Arabien, das mit Abstand größte Ölförderland innerhalb der Opec, seine Produktion wie vereinbart drossle. Insider schätzen, dass die Wüstensöhne ihre Förderung im September gar noch leicht gesteigert hätten.

Preisdämpfend könnten sich jüngste Studien auswirken, die von einer deutlichen Steigerung der Ölproduktion des Irak ausgehen. Mit 1,5 Millionen Fass hat sie schon fast wieder das Niveau von vor dem US-Angriff auf den Irak erreicht, Tendenz steigend. Allerdings gibt es große Probleme für den Irak, das Öl über Pipelines auf den Markt zu bringen, vor allem wegen Sabotageakten auf die Ölleitung von Kirkuk (Nordirak) an den türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Relativ rasch könne es aber gelingen, die stillgelegten Pipelines nach Syrien und Saudi-Arabien wieder zum Laufen zu bringen.

Schwillt der Strom des irakischen Öls weiter an, könnte die Opec auf dem außerordentlichen Ministertreffen am 4. Dezember in Wien gar eine weitre Kürzung beschließen. Diese würde aber nur dann greifen, wenn Nicht-Opec-Länder (Russland, Norwegen, Angola oder Mexiko) mittun.(Clemens Rosenkranz, Der Standard, Printausgabe, 07.10.2003)

Share if you care.