Eine Schweizerin kämpft für Menschenrechte

11. Oktober 2003, 21:37
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Anne-Sylvie Linders humanitärer Einsatz in Kolumbien

Bogota - Seit drei Jahren kämpft die Schweizerin Anne-Sylvie Linder im Bürgerkriegsland Kolumbien für die Respektierung der Menschenrechte. Ihre Arbeit ist schwierig und mitunter frustrierend, und doch sie hat sich längst in das Land verliebt.

Die 41-jährige Frau stammt aus La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuenburg. Früher war sie Delegierte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Bei einem Einsatz in Kolumbien vor drei Jahren bot ihr ein hoher Beamter des Verteidigungsministeriums den Posten einer Beraterin für humanitäres Völkerrecht an.

Schwierige Arbeit

"Ich war mir bewusst, welch enorme Belastung mit dieser Arbeit verbunden ist", erinnert sich Linder. Sie kannte die gefährlichsten Regionen des Landes, wo die Zivilbevölkerung am meisten leidet unter dem erbitterten Kampf zwischen linksgerichteten Guerillas, Paramilitärs und der kolumbianischen Armee. Und trotz allem "habe ich mich in dieser Zeit in das Land verliebt", sagt Linder. Beim IKRK reichte sie die Kündigung ein und ließ sich in der Hauptstadt Bogota nieder. Die kolumbianische Armee auf humanitäre Grundsätze einzuschwören war allerdings keine leichte Aufgabe.

Kämpfe

"Sie arbeiten für die Guerilla", ist ein Vorwurf, den Linder von den Militärs oft hörte, wenn sie sich etwa für die Versorgung verletzter Kämpfer durch das Rote Kreuz einsetzte. Immer wieder attackieren die linken Rebellenorganisationen FARC und ELN die Zivilbevölkerung - ebenso wie ihre rechtsgerichteten GegnerInnen von der AUC. Die reguläre Armee sieht oft weg und lässt Gräueltaten geschehen.

Die Gleichgültigkeit der Armee gegenüber der AUC ist Linder nicht entgangen. Zuweilen handelt es sich gar um Komplizenschaft. 1997 etwa wurden 46 BewohnerInnen des Dorfes Mapiripan von einem paramilitärischen Kommando getötet, verbrannt und zum Teil enthauptet. Der rechtzeitig alarmierte Armee-Befehlshaber der Gegend tat nichts, um das Massaker zu verhindern.

Positive Bilanz

Trotzdem trat Linder in die Dienste der Regierung ein. "Ich habe mir gesagt: Warum nicht?" In der Hoffnung, eine Entwicklung in Gang zu bringen, habe sie den Job angenommen. Im Alltag habe sie dann sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Manche Militärs zeigten sich lernfähig, andere reagierten abweisend.

Alles in allem zieht sie heute eine positive Bilanz. Mit Hilfe ihr gut gesinnter Militärs hat sie die Veröffentlichung eines jährlichen Berichts über die Respektierung der Menschenrechte durchgesetzt. Ein altes Tabu war gebrochen. "Heute wehren sich die Militärs nicht mehr gegen administrative und juristische Kontrollmechanismen", stellt Linder fest.

An Arbeit mangelt es ihr weiterhin nicht. Seit August ist sie Direktorin einer Menschenrechts-Behörde, die vom Vizepräsidenten geschaffen wurde. Anne-Sylvie Linder - nunmehr Doppelbürgerin - hat in Kolumbien "eine Ordnung im Chaos" und eine "verführerische Wärme" gefunden. Sie sei jetzt hier zu Hause, sagt sie. (APA)

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