Duisenberg warnt vor Dollar-Crash

13. Oktober 2003, 16:44
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EZB-Präsidnet hofft auf langsame Abwertung - Keine Äußerung zu Interventionen

Frankfurt - Der scheidende Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, hat vor einer zu schnellen und zu starken Abwertung des Dollar im Vergleich zum Euro gewarnt. "Wir hoffen und beten, dass die Berichtigung, die unvermeidbar ist, langsam und schrittweise vonstatten geht, sagte Duisenberg laut "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe) deren spanischer Schwesterzeitung "Expansión". "Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um es langsam und schrittweise geschehen zu lassen."

Nach EZB-Angaben hat sich Duisenberg damit nicht zu möglichen Interventionen geäußert, mit denen der Anstieg des Euro gegen den Dollar gebremst werden könnte. Der EZB-Präsident habe sich "wie üblich nicht" über die Möglichkeit einer Devisenmarktintervention geäußert, sagte EZB-Sprecher Manfred Körber am Montag. Er trat damit der Ansicht entgegen, Duisenberg habe "verbal" gegen den Euro interveniert.

Erster Warnruf nach Dubai

Die Warnung des EZB-Chefs ist die erste eines Zentralbankchefs seit der Erklärung der G7-Finanzminister in Dubai vor zwei Wochen. Darin wurden ostasiatische Staaten wie China und Japan aufgefordert, ihre Bindung an den Dollar schrittweise aufzugeben und damit der US-Währung Raum für Abwertungen zu schaffen.

Wegen des hohen US-Zahlungsbilanzdefizits habe der Dollar eine Abwertung nötig, sagte Duisenberg weiter: "Bisher läuft die Berichtigung nur gegen den Euro." Seit dem G7-Treffen in Dubai hatte der Euro gegenüber dem Dollar von 1,1370 zeitweise auf deutlich über 1,17 Dollar zugelegt; am Freitag hatte die EZB den Referenzkurs mit 1,1686 Dollar festgelegt.

Eichel: Eurozone dürfe Lasten nicht alleine tragen

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) verwies in einem Interview der französischen Wirtschaftszeitung "La Tribune" (Montagausgabe) ebenfalls auf die bestehenden "Ungleichgewichte im Welthandelssystem". "Mit aller Vorsicht, peu à peu, sollte man solche Ungleichgewichte abbauen und daran sollten sich alle beteiligen", betonte Eichel. Bisher habe die Abwertung des Dollar fast nur den Euroraum betroffen. Bei der Beseitigung von Ungleichgewichten müsse aber darauf geachtet werden, "dass eine Weltregion nicht allein die Anpassungslasten trägt." (APA/vwd)

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