Eine Milliarde Menschen lebt in Slums

9. Oktober 2003, 18:57
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UN-Experten kritisieren Regierungen wegen fehlender Sanierungsprogramme

Nairobi - Jeder sechste Mensch auf dieser Erde lebt in einem Slum. Weltweit haben die Elendsviertel rund eine Milliarde Einwohner, heißt es in einem neuen Bericht der Vereinten Nationen, der am Montag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi veröffentlicht wurde. Diese Zahl könnte sich bis zum Jahr 2020 verdoppeln, wenn die zuständigen Regierungen nichts dagegen unternehmen, warnen die UN-Experten. Dabei sei es sinnvoller, die Lage in den Elendsvierteln der Großstädte zu verbessern, als die Slumbewohner umzusiedeln.

Schon jetzt lebten die Hälfte aller Stadtbewohner in Slums. Definiert sind sie als Viertel mit notdürftig errichteten, überfüllten Unterkünften, in denen grundlegende Dienstleistungen nicht verfügbar sind. Zum Teil gibt es in diesen Vierteln nicht einmal frisches Wasser, mangelhafte sanitäre Anlagen sind die Ursachen vielfältiger Gesundheitsrisiken. Medizinische Versorgungsmängel erhöhen auch die Aidsrate in den Slums.

Bedrohlich ist die Entwicklung dem Bericht zufolge besonders in Asien und Afrika, wo der Zuzug in die Städte anders als auf den anderen Kontinenten unvermindert anhält. Asien hat mit 554 Millionen ärmlich lebenden Menschen schon jetzt die größte Slumbevölkerung, in Afrika ist mit 71 Prozent der Anteil der Slumbewohner an der Gesamtbevölkerung am höchsten.

Die beim Millennium-Gipfel der UNO vor drei Jahren erklärte Absicht, bis zum Jahr 2020 das Leben von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern zu erleichtern, werde bislang nicht umgesetzt, kritisieren die Experten. (DER STANDARD, Printausgabe 07.10.2003)

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    Schon jetzt lebten die Hälfte aller Stadtbewohner weltweit in Slums

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