"Ich werde aufräumen"

6. Oktober 2003, 10:53
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Schwarzenegger bleibt trotz Vorwürfen zwei Tage vor den Wahlen weiter zuversichtlich

Sacramento - Zwei Tage vor den kalifornischen Recall-Wahlen hat der republikanische Kandidat Arnold Schwarzenegger bei einer Kundgebung in Sacramento trotz der gegen ihn erhobenen Vorwürfe Zuversicht gezeigt. "Ich werde aufräumen", kündigte der gebürtige Österreicher vor etwa 5.000 jubelnden Anhängern Sonntag Mittag (Ortszeit) vor dem Kapitol des Bundesstaats an und schwang dabei demonstrativ einen Besen. Auf Vorwürfe wegen angeblicher sexueller Belästigung sowie wegen einer Aussage angeblicher Hitler-Bewunderung ging Schwarzenegger nur kurz ein: "Freunde haben mich vor der Kandidatur gewarnt, man wird versuchen mich in den Schmutz zu ziehen". Dies sei nun eingetreten.

Die Veranstaltung in Sacramento bildete den Höhepunkt und Abschluss der viertägigen "California Comeback Express"-Tour, bei der Schwarzenegger mit einem Buskonvoi von San Diego über Los Angeles und das Central Valley nach Sacramento gefahren war. Begleiten von zahlreichen Medienvertretern hatte der Kandidat in mehreren Städten seine Auftritte absolviert und um Stimmen geworben. Am Samstag, nachdem neue Vorwürfe angeblicher sexueller Belästigung gegen ihn laut wurden, hatte ihn seine Ehefrau Maria Shriver begleitet.

"Spielerisches Verhalten"

In der "Los Angeles Times" haben bisher 15 Frauen Anschuldigungen gegen den Filmstar und ehemaligen Bodybuilder erhoben, er habe sie begrapscht oder körperlich bedrängt. Zu Beginn der Bus-Tour am Donnerstag hatte sich Schwarzenegger entschuldigt, falls er durch sein "spielerisches Verhalten" Leute verletzt habe. "Wo Rauch ist, ist auch Feuer", hatte er eingestanden. Später hatte er den amtierenden demokratischen Gouverneur Gray Davis attackiert, er stecke hinter der "Kampagne" gegen ihn. "Davis kann Kalifornien nicht regieren, aber er kann einen schmutzigen Wahlkampf führen".

Schwarzenegger legte in Sacramento seine Positionen dar: Mittels Ausgabenstopp werde er nicht mehr ausgeben als der Staat einnehme, aber bei der Erziehung werde nicht gespart. Der gemäßigte Republikaner versprach einen Steuerstopp, die Stabilisierung des Budgets und eine Reform des Bildungswesens. "Wir können Kalifornien wieder zum großartigsten Staat im besten Land der Welt machen", rief er. Er appellierte an alle Wählerinnen und Wähler, ihr Wahlrecht zu nutzen. Beim letzten Wahlgang in Kalifornien hatten 13 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme nicht abgegeben, diesmal solle die Beteiligung höher sein.

"We're Not Gonna Take It"

Umrahmt wurde die Wahlkampfveranstaltung von den Klängen der "offiziellen Wahlkampfhymne" Schwarzeneggers "We're Not Gonna Take It" (etwa: Wir machen nicht mehr mit). Die Hardrock-Band "Twisted Sister" trat vor dem Kapitol auf. Sisters-Sänger Dee Snider verwandelte die politische Kundgebung auf dem Rasen vor dem kalifornischen Parlament zeitweilig in ein Rockkonzert. Schließlich griff Schwarzenegger unter "Arnold, Arnold"-Rufen selber zur Gitarre und griff in die Saiten - ob er gut gespielt hat, ließ sich bei dem hohen Lärmpegel nicht herausfinden.

Am Dienstag (7. Oktober) entscheiden die Kalifornier zunächst über eine mögliche Abberufung ("Recall") ihres vor weniger als einem Jahr wiedergewählten Gouverneurs Gray Davis. Falls sich eine Mehrheit gegen den Demokraten Davis entscheidet, wird jener Kandidat Gouverneur, der die meisten Stimmen erhält. Laut den Umfragen der vergangenen Woche liegt Schwarzenegger vor dem Kandidaten der Demokraten, Cruz Bustamante. (APA)

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    Der mögliche neue Besen Arnold verspricht, gut zu kehren.

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