Plötzlich hat Rapid wieder einen Echten

13. Oktober 2003, 11:43
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Andi Ivanschitz ist die neue Besetzung für den jungen Helden: "Wir gewinnen, weil wir gewinnen wollen

Der Fußball kennt nur zwei Geschichten, die vom Sieg und die von der Niederlage. Die Rapid formulierte am Samstag wie besessen an ihrem Stück, und tatsächlich fiel ihr in letzter Minute ein Happyend ein. Und Andi Ivanschitz ist die neue Besetzung für den jungen Helden.


Wien - Der Nachmittagsdämmerschlaf ist unersetzlich. Kurz nach dem Schlusspfiff des vorzüglichen Fußballspiels zwischen der Rapid und der Austria Salzburg (1:0) fluteten die Rapid-Fans auf das Spielfeld. Die Einsatzkräfte in ihren Plastikrüstungen marschierten erst ein, als die Rapid-Fans ihr Imponierritual bereits hinter sich hatten. Unaggressiv euphorisiert feierten die Fans den dank gemeinsamer Anstrengung geglückten Nachmittag. Das ganze Spiel über legten sie über das zeitweise magnetische Spiel der Rapid - die Mittelfeldkette Prisc, Martinez, Ivanschitz! - ein Energiefeld. Die Spannung entlud sich in einem traumhaft schönen Tor von Andi Ivanschitz. Der schwankende René Wagner (60. Minute: er versemmelt alleine vor Arzberger) schupfte die Kugel aus der linken Strafraumhälfte halbhoch zurück zu Ivanschitz, der drosch den Ball lakonisch ins Tor - 1:0 (89.). Sieg, sieben Punkte Vorsprung auf die Austria. Rapids Trainer Josef Hickersberger: "Wir haben mehr auf Sieg gespielt. Wir hätten aber auch verlieren können."

Volkan Karahman hatte vor und nach Ivanschitz' Tor ausgezeichnete Chancen, Rapids Tormann Helge Payer (Hickersberger: "Für mich die Nummer eins in Österreich") hielt alles. Salzburgs Situation verschlimmert sich.

Genieblitze

Ivanschitz' Aktion erinnerte in ihrer Selbstverständlichkeit an die Genieblitze des jungen Andi Herzog. Das ist die erste Saison, in der Ivanschitz in jedem Spiel von Beginn an eingesetzt wird, in manchen Spielen drückt ihn die Belastung und Verantwortung, aber er entscheidet Spiele, zum Beispiel das 2:1 über den GAK (zweites Tor). Das 2:0 über Sturm checkte er gemeinsam mit dem verletzten Kapitän Steffen Hofmann, den der verblüffende Martinez (armer, alter Winklhofer) "hervorragend" (Hickersberger) ersetzte. Ivanschitz beschleunigt mit dem Ball wie weiland Herzog. Vielleicht ist Ivanschitz' Haken aber noch kürzer, überraschender, im gegnerischen Hochsicherheitsgebiet noch alarmierender. Auf der Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche befürchtete er für das Spiel gegen Salzburg trotz des Ausfalls von Hofmann keinen nachhaltigen Schaden für das komplizierte Gewebe der Mannschaft. Ivanschitz, der Mitte Oktober 20 Jahre alt wird, prophezeite: "Wir gewinnen das, weil wir das gewinnen wollen."

Rapids Himmel ist freilich nicht ohne Wolken. Roman Wallner wird aus Gründen des Weight-Watchens ins Teamcamp einrücken, seine in mehrfachem Wortsinn erschütternde Formlosigkeit stellt der Aufsichtspflicht des Rapid-Betreuerteams kein gutes Zeugnis aus. Martin Hiden verrenkte sich das rechte Handgelenk, erhielt einen Spaltgips, bildet mit dem weit unter Niveau agierenden Martin Stranzl (erster Ligaeinsatz seit ewig, 0:1 mit 1860 bei Freiburg) wahrscheinlich am Samstag gegen Tschechien die Teaminnenverteidigung. Es geht halt nichts über eine kluge Teamkaderplanung. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 6. Oktober 2003, Johann Skocek)

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