Kampfansage der SP-Frauen

6. Oktober 2003, 17:29
10 Postings

30-Stunden-Woche und Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung

St. Veit/Glan - "Wir Frauen müssen aufpassen, dass wir im Zuge der schwarz-blauen Wende nicht zu Randfiguren werden, die man bestenfalls mit Lippenbekenntnissen abspeist." In Zeiten wie diesen müsse man wieder "erhöhten Kampfeswillen" zeigen, meinte SP-Bundesfrauen-Vorsitzende Barbara Prammer am Rande des Bundesfrauenkonferenz, zu der rund 300 Frauen aus ganz Österreich nach Kärnten ins St. Veiter Rathaus gekommen waren.

Frauenpolitik komme in der Bundesregierung derzeit so gut wie überhaupt nicht vor, kritisiert Prammer im Gespräch mit dem STANDARD vor allem Frauenministerin Maria Rauch-Kallat: "Ich hätte nicht gedacht, dass es nach Herbert Haupt noch schlimmer kommen kann." So gebe es beispielsweise für Bundesbedienstete noch immer keine Vorsitzende der Gleichbehandlungskommission.

Mit insgesamt 16 Anträgen, die sich hauptsächlich mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kinderbetreuung, Frau und Wirtschaft sowie einer Neuverteilung des Erwerbsarbeitsvolumens befassten, sandten die SPÖ-Frauen denn auch starke Forderungen an Regierung und Bundes-SPÖ. So wurde unter anderem eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Wochenstunden gefordert. Während Männer nämlich hohe Arbeitszeiten samt Überstunden aufwiesen, seien Frauen überwiegend teilzeitbeschäftigt.

Weiters fordern die SPÖ-Frauen einen Rechtsanspruch auf qualifizierte Kinderbetreuung bis zum Ende der Schulpflicht sowie die Wiedereinführung der jährlichen Kindergartenmilliarde. Dem Vorschlag Jörg Haiders, Lehrer verstärkt in der Schule zur Nachmittagsbetreuung einzusetzen, kann Prammer einiges abgewinnen: "Das wäre zumindest ein erster richtiger Schritt in Richtung Ganztagsschule."

Besonderes Augenmerk richten die SPÖ-Frauen auch auf eine bislang von ihrer Partei stark vernachlässigte Gruppe von Frauen: die der Selbstständigen und Unternehmerinnen. Dazu wurde in St. Veit/Glan ein eigenes "Gründerinnen-Modell" beschlossen. Frauen sollen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit gefördert und unterstützt werden. "Es geht uns dabei aber auch um ein Gegenmodell zur derzeitigen Scheinselbstständigkeit, in die viele Frauen heute getrieben werden", so die Nationalratsabgeordnete Bettina Stadlbauer. (stein/DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2003)

Share if you care.