Wedeln auf der interaktiven Skipiste

12. Oktober 2003, 20:28
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Die Gewinner des Multimedia- und E-Business-Staatspreises über Innovationen und Visionen

Mit der Idee, Liftanlagen mit Werbung zu versehen und dazu ein Onlinebuchungssystem zu entwickeln, haben Burkhard Strasser, Wilhelm Steindl und Tilmann Grüll den heurigen Multimedia-Staatspreis gewonnen. Elke Ziegler sprach mit ihnen über Zukunftsperspektiven der Werbung und den Trend zum Internet in allen Lebensbereichen.

STANDARD: Wer von Ihnen ist der Skifahrer, dem aufgefallen ist, dass österreichische Skipisten noch werbefrei sind?

Strasser: Das bin ich. Bei einem Skiurlaub im schwedischen Åre bin ich mit einer Liftgondel mit Vorhang gefahren. Das empfand ich als eigenartig, bis ich gesehen habe, dass es sich um einen Werbegag des örtlichen Raumausstatters handelte. Ich habe dann in Österreich herausgefunden, dass es abseits von Plakatständern in den Liftstationen keine Möglichkeit gab, auf Skiliften zu werben. Daraufhin habe ich mich 1997 entschlossen, das Unternehmen Alp Media zu gründen.

STANDARD: Wann haben Sie dann als Team zusammengefunden?

Strasser: Als eine Image-Website für das Unternehmen entstanden ist. Es wurde ziemlich schnell klar, dass es zur Darstellung der komplexen Daten über Skigebiete und Lifte ein Tool braucht, das die Daten intelligent visualisiert.

STANDARD: Was waren denn die Grundprinzipien bei der Erstellung dieses Tools?

Strasser: Das oberste Prinzip war die Einfachheit der Buchungen. Das Tool wurde so klar aufgebaut, dass man ohne Vorkenntnisse sofort versteht, wie man eine Buchung vornehmen kann.

Steindl: Wer Werbekampagnen plant, bekommt so eine Vorstellung der Wintersportregion, in der er bucht. Er sieht die Route des Lifts, auf dem seine Werbung hängen wird, und kann sie auch über verschiedene Liftarten streuen.

Grüll: Technisch haben wir es mit einer dynamischen Datenbank gelöst, die über ein Content-Management-System verwaltet wird. Die Useroberfläche wurde mit der Software Flash programmiert, das ein intuitives Surfen ermöglicht.

STANDARD: Wie waren die Reaktionen seitens der Branche?

Strasser: Bei unseren internationalen Kunden herrschte sofort große Begeisterung. Die heimischen Agenturen waren anfangs skeptisch. Inzwischen laufen hundert Prozent der Buchungen so.

STANDARD: Welche Bedeutung hat das Internet bei Geschäftsmodellen?

Steindl: Großes Zukunftspotenzial haben Business-to-Business-Anwendungen (Anwendungen im Unternehmensbereich), die bestehende Logistik-, Bestell- oder Dokumentensysteme über neue Medien intelligent verbinden und so auch zur Kundenbindung beitragen.

STANDARD: Wie wird sich denn die Werbung Ihrer Ansicht nach entwickeln?

Strasser: Die Interaktivität wird in der Werbung immer wichtiger. Die Zielgruppe muss möglichst in einen Dialog geholt werden. Wir denken daher auch in Skigebieten über die Positionierung von interaktiven Flächen nach. Darüber hinaus sind mobile Anwendungen für die Werbung besonders interessant. Die Produktzyklen werden immer kürzer. Mit intelligenten Lösungen kann ich schnell auf Neuerungen reagieren und die Zielgruppe direkt erreichen.

Steindl: Eine geniale Idee mit den Medien der damaligen Zeit habe ich schon Mitte der 90er-Jahre in Los Angeles am Flughafen gesehen. Wenn man dort ein Zimmer buchen wollte, gab es einen Stadtplan, in dem einige Hotels eingezeichnet waren. Zu jedem Hotel stand unter der Karte ein Telefon. Man musste nur den Hörer abheben und war automatisch mit der Rezeption des jeweiligen Hotels verbunden. Solche Ideen kann man heute technisch ausgefeilter und mit zusätzlichen Funktionen durchdenken.

STANDARD: Und wie sehen Sie die Zukunft von Internet und mobilen Endgeräten?

Grüll: Zum einen sehe ich die Herausforderung, Software und Datenbanken so zu gestalten, dass sie verschiedene Geräte, vom Computer über das Handy bis hin zum Pocketcomputer, bedienen können. Davon abgesehen denke ich, dass sich für die nächsten 50 Jahre der Funk als Übertragungsmittel sehr stark durchsetzen wird. Wahrscheinlich bis die gesundheitlichen Auswirkungen wieder ein Umdenken auslösen.

Steindl: Für mich sind zwei Entwicklungen absehbar: Erstens wird das Internet auch ohne diese Bezeichnung überall vorhanden sein, auch in Geräten in unserer privaten Umgebung. Und zweitens wird es mit uns gemeinsam mobiler. Das Problem ist, dass die Erwartungshaltungen beispielsweise zum Stichwort UMTS so in die Höhe geschraubt werden, dass sich die Enttäuschung zwangsläufig einstellt. Dennoch ist dieser Trend nicht aufzuhalten.

STANDARD: Das heißt, für Sie sind die neuen Medien auch nach den Wellenbewegungen der letzten Jahre eine Berufsperspektive?

Steindl: Absolut, ja. Heuer wird man nicht das große Geschäft machen, aber das Pendel schlägt langsam wieder in eine andere, für neue Medien positivere Richtung aus. Man muss aus den Erfahrungen mit den Kunden lernen und neue Ideen entwickeln. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 10. 2003)

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