Gymnasiast erfand Programmiersprache

12. Oktober 2003, 20:28
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Thomas Würthinger, IT-Wunderkind ohne Garage

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein sah in ihm den jungen Bill Gates. Tage nachdem er mit so großen Worten garniert den zweiten Förderpreis des Staatspreises für Multimedia & E-Business erhielt, meinte der 17-jährige Thomas Würthinger, Erfinder der Programmiersprache GameScript und dem Microsoft-Gründer auch optisch nicht ganz unähnlich, der Vergleich hinke. "Ich habe keine Garage", sagte er in Anspielung auf die Örtlichkeit, in der Gates begonnen haben soll.

Würthingers Geschichte nahm in einer Unterrichtsstunde im Gymnasium Ried in Oberösterreich ihren Anfang. Er und seine Schulkollegen sollten Java erlernen - die meisten stiegen schnell aus, konnten nicht recht viel anfangen mit der Programmiersprache. "Da dachte ich mir: Das kann doch nicht sein." Würthinger entwickelte eine E-Learning-Plattform, die es ermöglicht, Programmiersprachen zu erlernen. Anfänger können damit relativ schnell den Lernerfolg visuell und akustisch erfassen. Fortgeschrittene Programmierer finden in der Spielsammlung der Website künstliche Computerspieler, die sie mit Intelligenz ausstatten und gegen die sie auch antreten können. Selbstverständlich ist auch ein Spiel zweier programmierter Kontrahenten gegeneinander möglich. Und Würthinger nennt noch einen Vorteil seiner Erfindung: GameScript sei stark an Java oder JavaScript angelehnt, sodass ein späterer Umstieg auf diese "Sprachen" möglich sei. Der Mann denkt an die Möglichkeit, auf Lernerfolgen aufzubauen.

Was Würthinger am liebsten macht, traut man sich ihn fast nicht fragen: programmieren. Eine gewisse Leidenschaft für Tischtennis hat er auch. Der Förderpreis zeigte schon Wirkung: Ein Unternehmen habe angerufen und ihn eingeladen, sich ihre IT einmal anzuschauen. Welche Firma das sei, will er - ganz professionell - natürlich nicht verraten. (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 10. 2003)

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