"Ich bin heute ein anderer Arnold"

6. Oktober 2003, 18:46
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Sexvorwürfe gegen Schwarzenegger lassen Gouverneur Davis kurz vor der "Recall"-Wahl noch einmal Hoffnung schöpfen

San Francisco/Los Angeles - "Wenn du eine Frau bist, dann kannst du nicht für diesen Mann stimmen", heißt der Spruch eines neuen Anti-Schwarzenegger-Spots, den mehrere Frauengruppen am Wochenende in Kalifornien gestartet haben. Gleichzeitig präsentierten sie ein weiteres Opfer des Muskelprotzes: eine ehemalige Praktikantin, die erklärte, dass Schwarzenegger sie vor 28 Jahren in einem Fernsehstudio unsittlich berührt hätte. Damit sind es sieben Frauen, die Schwarzenegger zwischen 1975 und 2000 des Busen- und Pograpschens sowie unangemessener sexueller Kommentare bezichtigen.

Schwarzenegger hatte bereits vergangenen Donnerstag versucht, das Protestfeuer zu löschen, indem er zugab, Dinge getan und gesagt zu haben, die er "spielerisch" gemeint habe, ohne jedoch Frauen verletzen zu wollen. "Ich bin heute ein anderer Arnold", sagte er bei einem Wahlkampfauftritt am Wochenende. In Zukunft würde er "extra vorsichtig sein" - sogar wenn der erste Schritt von weiblicher Seite kommen sollte.

Kaliforniens Gouverneur Gray Davis, um dessen Abwahl es am Dienstag geht, ließen die Sexvorwürfe gegen den "Terminator" noch einmal Hoffnung schöpfen. Erstmals griff der Demokrat seinen ärgsten Herausforderer frontal an: "Einen Gouverneur zu wählen, der womöglich ein Verbrechen begangen hat, wird den Staat davon abhalten, die notwendige Arbeit zu leisten."

Auch Kaliforniens demokratische Senatorin Dianne Feinstein führte die Moral ins Feld. Die Anschuldigungen gegen Schwarzenegger "sollten uns zum Denken anregen", sagte sie. "Wollen wir wirklich diesen Mann als Gouverneur unseres Staates? Sehen wir ihn wirklich als Vorbild für unserer Kinder? Ich denke nicht." "Kotzpolitik" nannte Schwarzenegger, der laut Umfragen immer noch mit 36 Prozent das Kandidatenfeld anführt, die Sexvorwürfe bei einem Tourstopp. Davis wüsste, wie man eine Schmutzkampagne, aber nicht, wie man einen Staat führe. (Rita Neubauer/Martina Zemlicka/DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2003)

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    Ein Freund der klaren Worte: Schwarzenegger wehrt sich gegen die "Schmutzkampagne" von Gouverneur Gray Davis.

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