Kopf des Tages: Roy Horn - Die Liebe der Tiger war letztlich Illusion

10. Oktober 2003, 22:38
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Der Plot für seine Lebensgeschichte könnte aus Hollywood stammen. Doch es ist die Gamblerstadt Las Vegas - von Irene Brickner

Der Plot für seine Lebensgeschichte könnte aus Hollywood stammen. Doch es ist die Gamblerstadt Las Vegas im US-Wüstenstaat Nevada, der Roy Horn (59) - ebenso wie sein Partner Siegfried Fischbacher (64) - den Weltruhm als Zähmer weißer Bengaltiger verdankt.

Sowie den Reichtum, den der stets braun gebrannte, niemals unfrisiert wirkende Showprofi in Luxusvilla, Luxuspool im Palmenhain und Luxusspielzeuge für seine tierischen Co-Stars, die Raubkatzen, umsetzte. Zusammen mit Siegfried, mit dem er - nie offen verkündet, aber auch niemals dementiert - in langjähriger schwuler Beziehung lebt.

Tellerwäscher wird Millionär"-Story

Das Unterfutter der "Tellerwäscher wird Millionär"-Story jedoch, die Roy wie Siegfried in keinem einzigen ihrer Interviews zu erwähnen vergessen, ist von deutscher Machart: Uwe Ludwig Horn, der Dompteur des erfolgreichen Illusionistenduos, wurde am 3. Oktober 1944 in Nordenham nahe der Hansestadt Bremen geboren. In "traumatisierende Familienverhältnisse" der unmittelbaren deutschen Nachkriegszeit, wie es auf US-Homepages und in der dortigen Yellow Press heißt: Der Stiefvater etwa sei nach einem rapiden sozialen Abstieg Alkoholiker gewesen.

Da sei "Roy" nicht viel anderes übrig geblieben, als sich der Welt der Verwandten weitestmöglich zu entziehen, um sich stattdessen ganz seinem Hund "Hexe" zuzuwenden, der - ist's Dichtung, ist's Wahrheit? - zur Hälfte wölfischer Abstammung gewesen sein soll.

Früh, mit 13 Jahren schon, verschlug es den Tierfreund auf den Dampfer "Bremen", wo er sich als Page verdingte. Dort traf er auf den jungen Siegfried, der als Magier von Hafen zu Hafen tingelte und Kaninchen aus dem Hut zauberte. Ob sich ein Gepard für derartige Aktionen nicht ebenso eignen würde, soll Roy damals Siegfried gefragt haben. Und er soll das vorgeschlagene Tier gleich mitgeliefert haben, laut Fama aus einem Zoo entführt.

Verhältnis zu potenziell gefährlichen Raubkatzen

Sein betont enges Verhältnis zu potenziell gefährlichen Raubkatzen erhob Uwe alias "Roy" in der Folge zum Kult: Das illusionsverliebte Publikum in Las Vegas honorierte es. Sage und schreibe 5750-mal ist Roy samt Siegfried dort seit dem Jahr 1970 bisher aufgetreten. Erst in den vergangenen paar Jahren blieben Plätze leer, was das Duo bewog, eine computeranimierte Fernsehshow für den US-Sender NBC zu produzieren.

Ein computeranimierter Roy hätte den Einbruch des Bestialischen im davor zahmen Tiger "Montecore" nicht zu fürchten gehabt. Wie überhaupt der Unfall des real existierenden Showstars - wie etwa auch der Tod einer Pflegerin im Schönbrunner Tiergarten vor eineinhalb Jahren nach dem Angriff eines schwarzen Panters - zu wiederholtem Mal beweist: Zahme Raubtiere gibt es nicht. (Irene Brickner, DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2003)

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