Stehaufmännchen Haupt

14. Oktober 2003, 19:16
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Über mögliche Personalrochaden in der FPÖ spekuliert Martina Salomon

Ginge es nach den Kärntner Freiheitlichen, dann wäre ihr Bundesparteiobmann Herbert Haupt längst in der Versenkung verschwunden. So ist er erstaunlicherweise noch immer da, wenn auch permanent von Rücktrittsgerüchten umwoben. Weil Haupt das Vizekanzleramt für Haiders Mann - Dieter Böhmdorfer - nicht geräumt hat und damit auch die längerfristige Rückkehr des Kärntner Landeshauptmannes an die Parteispitze blockiert, ist Jörg Haider in Kärnten nächstes Frühjahr zum Erfolg verdammt. Nur wenn er auf Platz eins bleibt, kann er noch eine bundesweite Parteifunktion anstreben.

Aber selbst wenn sich Haupt noch vor der Landtagswahl zurückziehen sollte, würde Haider in der Partei nicht automatisch die Oberhand zurückgewinnen. Mit Verkehrsminister Hubert Gorbach könnte die FPÖ einen soliden Vizekanzler aus dem Hut zaubern, der kein "Haiderianer" ist. Das ließe sich im Windschatten einer ÖVP-Personalrochade bewerkstelligen: Im Jänner wird wohl Benita Ferrero-Waldner als Präsidentschaftskandidatin präsentiert. Das Außenamt muss neu besetzt werden.

Haupt war als Kärntner lange Zeit Bindeglied zwischen den beiden freiheitlichen Lagern: Denn die Blauen in der Bundespolitik sind schon lange genervt von ihrem unberechenbaren "einfachen Mitglied" Haider. Genau umgekehrt verhält es sich mit den Landesparteien: Dort fühlt man sich von der schwarz-blauen Koalition beschädigt. Der alte, harte Oppositionskurs wäre hier viel leichter "verkäuflich". Stehaufmännchen Haupt will sich nun zumindest optisch von der ÖVP abgrenzen. Nach dem Ministerrat wird er künftig weiterhin allein auftreten. Inhaltlich setzt er hingegen ganz andere Signale, Beispiel Steuerreform: Von der Wirtschaft und nicht vom "kleinen Mann" redete er am Sonntag. Ob das bei seinen Kärntner "Freunden" gut ankommt? (DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2003)

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