Vom Winde verweht

10. Oktober 2003, 11:33
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Realistisch, aber nicht ganz: die aktuelle Schau "Schach" von Anna Meyer in der Galerie Krobath Wimmer

Der Stil, eine Art Neoverismus, ist derzeit ziemlich en vogue, nicht nur in der Kunst. Ihre fotorealistischen Malereien, ob im Großformat oder suggestiv-installativ auf kleinen Aluplatten von der Decke hängend, macht Anna Meyer allerdings schon seit ungefähr einer Dekade.

Außerdem spielt sie auf vielen künstlerischen Registern, das demonstriert auch ihre aktuelle Schau, in der "schach", das rot-weiße Muster, den (auch kunstgeschichtlich) beziehungsreichen roten Faden bildet. Der trotz allem Realismus locker-flotte Malstil in Lassnig-Farbskalen führt ein Eigenleben; die Bildausschnitte gleichen perfekten Filmstills, lassen in kleinen Details auch Witz aufkeimen.

Frühere Billboards und Demo-Bilder weichen jetzt fast menschenleeren Szenen, wobei die Künstlerin, die auch immer über die Schranken der Malerei hinauswies, zwei Topografien miteinander verwebt. Einerseits Bilder aus Ägypten: Straßenszenen und nie fertig gestellte Häuser-Baugerüste, an deren Fundamenten quasi nomadische Zustände herrschen. Andererseits Karl Schwanzers derzeit vor sich hin rottendes, modernistisches Wiener 20er-Haus, das Meyer solcherart in Erinnerung ruft. Auch in Form eines (am Video vom Winde verwehten) Architekturmodell. Damit es zu keinem Schachmatt kommt. (dok/DER STANDARD, Printausgabe, 6. 10.2003)

Galerie Krobath Wimmer
1010 Wien
Eschenbachgasse 9
01/585 74 70
Bis 18. 10.
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    foto: galerie
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