Goldfingers forever?!

12. Oktober 2003, 19:52
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Wenn man die vielen Studien liest, die in letzter Zeit veröffentlicht wurden, kann es mit dem Goldpreis nur noch nach oben gehen - Ein Gastkommentar von Michael Margules

Was wir bis jetzt gesehen hätten, sei erst der Anfang, die Marke von 400 US-Dollar pro Unze (aktuell steht die Unze Gold bei rund 370 US-Dollar) nur ein Zwischenziel – jubeln die Haussiers. Fast schon euphorisch äußert sich beispielsweise das markttechnische Research von Prudential Securities, New York: Mit derartigen Meinungen steht Prudential zur Zeit alles andere als alleine da. Fast erweckt es schon den Eindruck, als gäbe es ganz offensichtlich nur noch Goldhaussiers. Sind den Baissiers, die während Jahren das Geschehen am Goldmarkt fest im Griff hatten, endgültig die Argumente ausgegangen?

Jubelnde „Goldianer“

Wenn man die vielen Studien liest, die in letzter Zeit veröffentlicht wurden, kann es mit dem Goldpreis nur noch nach oben gehen. In seltener Einigkeit stellen sowohl die fundamental orientierten Analysten als auch die Markttechniker deutlich höhere Goldpreise in Aussicht. Das Gold befinde sich jetzt nicht etwa „nur“ in einer zyklischen Hausse, sondern in einem „säkularen“ Aufschwung, das sind Marktbewegungen, die nur einmal pro Generation auftreten. In den letzten 33 Jahren gab es am Goldmarkt nur zwei dieser Langfristtrends: Die Hausse, die Ende der Sechzigerjahre begann, bis Anfang 1980 dauerte und dem Gold eine Wertsteigerung von fast 2500 Prozent eintrug. Ende 1980 startete der „secular bear market“, der bis 1999 anhielt. Während dieser fast zwanzig Jahre verlor das Gold 71 Prozent – ein klassischer Baissemarkt. Nach einem fünfjährigen Bodenbildungsprozess hätte das Edelmetall im Frühjahr 2003 den zweiten grossen Aufschwung gestartet. Diese Hausse, glauben jedenfalls die Markttechniker aus dem Hause Prudential, werde „viele Jahre“ dauern, denn gerade die überdurchschnittlich lange Konsolidierung lasse nun auch eine besonders langlebige Hausse erwarten.

Nur noch Goldhaussiers?

Die Liste der Gründe, auf denen der Optimismus der Haussiers basiert, ist lang und durchaus überzeugend. Doch auch in der Baisse – und noch ist diese gar nicht so lange her – überzeugten die Argumente der Baissiers. Nicht zuletzt das Motto „Die Hausse nährt die Hausse“ führt dazu, daß das gelbe Edelmetall immer mehr Anhänger findet. Dementsprechend finden sich wenig überraschend auch immer mehr Finanz-Analysten, die Gold als Anlagealternative entdecken und sich positiv über die weiteren Aussichten äußern. Unabhängig davon, ob sie mit ihrer Prognose Recht behalten, fällt dabei auf, wie oftmals unterschiedlich und widersprüchlich argumentiert wird.

Insbesondere die neuerdings wieder verstärkte Unsicherheit an den Devisenmärkten hat zuletzt unter den Anlegern neues Interesse an Gold entfacht. Historisch gesehen hat der Goldpreis stets in von negativen Real-Zinsen (kurzfristiger Zinssatz minus Inflation), wie dies zumindest in den USA und jedenfalls in Asien – trotz der deflationären „Ausnahmeerscheinung “ Japan – der Fall ist, geprägten Zeiten eine erfreuliche Entwicklung gezeigt. Und die Symbiose aus wirtschaftlicher Verunsicherung auf der einen Seite, politischer Instabilität auf der anderen Seite (Naher Osten, Nordkorea) eignet sich allemal als guter Nährboden für eine Zuflucht in das vermeintlich sichere Gold.

Contrarians in den Startlöchern....

Wenn heute offenbar tatsächlich nichts mehr gegen Gold spricht und sich alle einig sind, dass der Preis nur noch steigen kann, ist das ein gewichtiges Argument gegen dieses Metall. Bereits warnen erste Stimmen vor einer Spekulationsblase, weil die Gold-Nachfrage weitaus höher ausfällt als das physische Angebot. Tatsächlich übersteigt die jährliche Nachfrage von 3900 Tonnen die Produktion von rund 2500 Tonnen schon seit mehreren Jahren. Die diesbezügliche Differenz wird zum einen durch geschmolzenes Altgold, zum anderen und vor allem durch Verkäufe der Zentralbanken gedeckt.

...gegen gut gewappnete „Goldianer“

Während diese Faktoren zur Vorsicht mahnen, gewinnt das gelbe Metall in den heutzutage stärksten Wachstumsmärkten wie China, Indien und Russland stetig an Popularität. China hat die Kaufrestriktionen gelockert und eine nationale Goldbörse eingerichtet. Islamische Länder, Argentinien und Russland denken darüber nach, ob sie ihre Landeswährungen mit Gold decken sollen. Trotz des jüngsten Preisanstiegs ist das Volumen des Goldmarktes im Verhältnis zu dem Aktienmarkt – von den voluminösen Anleihen gar nicht zu reden – weiterhin als sehr klein anzusehen. Selbst eine nur minimale Verschiebung aus den traditionellen Finanzmärkten in den Goldmarkt würde eine zusätzliche und bedeutende Hebelwirkung erzeugen.

Vorsicht vor der Dollarschwäche

Selbst wenn sich die konjunkturellen Hoffnungsschimmer und damit einhergehende steigende Inflationsraten als trügerisch herausstellen sollten, scheinen die Unsicherheitsmomente des Weltgeschehens gepaart mit den eindeutige Signale abgebende Nachfrageüberhang dem Gold auch weiterhin gute Karten im Anlagepoker zu verleihen. Jubelmeldungen respektive –prognosen sind jedoch abzulehnen, und werden insbesondere Euro-Spekulanten vor dem Hintergrund der Dollarnotierung des Goldes herbe Enttäuschungen bescheren.

Nachlese

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--> Buy on bad News!?
--> Die Schlechten ins Kröpfchen, ...
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--> Anlagetipps von und mit George W. Bush
--> Alan Greenspans Heiratsantrag
--> Das 1x1 der Aktienbewertung
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--> Spieglein, Spieglein, an der Wand ...
--> High Noon zwischen Anleihen und Aktien
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--> Politischer Einfluss stützt Aktienrally
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--> Drei Jahre Baisse reichen
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--> Schweigen in der Folterkammer
--> Politik beeinflußt die Börsen wenig
--> Die Baisse kann bis 2018 andauern...
--> 1:0 für Anleihen
--> Arme Rentner
--> Kanonendonner oder Kursfeuerwerk?
--> Gratis-Kredit für den Chef
--> Aktien-Lotto
--> Quo vadis, Greenback?
--> 100 minus Lebensalter = Börsenerfolg
--> „Bob the builder“ und US-Präsident Bush
--> Aktien oder Anleihen: The winner is ...
--> Dow Jones in Richtung 120.000
--> "Baissemarkt bis 2018"
--> Eine schöne Bescherung
--> Von Analys(t)en und Abhängigkeiten
--> Börsen vor "Happy Wende"
--> Wenn der Zauber nicht wirkt
--> Contrariens unter der Lupe
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--> Jim Rogers küsst wieder in Wien
--> Bush, Greenspan, Bin Laden ...
--> Zum Verkaufen zu spät, zum Kaufen zu früh
--> Japan ist einen Börsenblick wert
--> Wie sicher sind Versicherungsaktien?
--> Droht ein neuer Ölpreisschock?

Michael Margules lebt als freier Journalist in Wien. Sein Gastkommentar "Börsenblick" erscheint wöchentlich auf derStandard.at. Anlageempfehlungen stellen die persönliche Meinung des Autors dar.
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    In seltener Einigkeit stellen sowohl die fundamental orientierten Analysten als auch die Markttechniker deutlich höhere Goldpreise in Aussicht

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