Israelische Raketenangriffe in Gaza

5. Oktober 2003, 19:25
posten

Kampfhubschrauber feuern Raketen auf Gaza-Stadt und auf das Flüchtlingslager Bureij - Israel sperrt wichtige Straße im Gazastreifen

Gaza/Ramallah - Israelische Hubschrauber haben Sonntag Früh Raketen auf Ziele im Gazastreifen abgefeuert. Todesopfer gab es offenbar keine, angeblich wurden aber vier Menschen durch Glassplitter leicht verletzt. Wie Augenzeugen berichteten, wurden zwei Raketen auf ein kleines Haus in der Nähe des Strandes von Gaza-Stadt und des Amtssitzes des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat abgefeuert. Dort war Arafat aber schon fast zwei Jahre nicht mehr. Das Haus war unbewohnt. Etwas später wurden drei Raketen auf ein Haus im Flüchtlingslager Bureij im Gazastreifen abgefeuert.

Die israelische Armee hat auch die wichtigste Straße durch den Gazastreifen für Palästinenser gesperrt. Die Soldaten errichteten Straßensperren in der Nähe der jüdischen Siedlung Kfar Darom im Zentrum und nahe Chan Junes im Süden, wie palästinensische Sicherheitskräfte mitteilten. Über Lautsprecher habe die Armee mitgeteilt, dass die Benutzung der Straße verboten sei.

Vergeltungsschlag

Bei den Angriffen handelte es sich offenbar um eine Reaktion auf den Selbstmordanschlag in Haifa, bei dem eine palästinensische Attentäterin am Samstag mindestens 19 Menschen mit in den Tod gerissen hatte. Das israelische Kabinett hatte danach über eine Vergeltung beraten. Eine Entscheidung wurde aber nicht bekannt gegeben. Zuvor war auch über eine "Entfernung" Arafats diskutiert worden.

Das Haus bei Gaza gehört der Familie Kanita, einer der größten im Gazastreifen. Es stand zur Zeit des Angriffs leer. Wie es hieß, gehören einige Mitglieder der Familie Kanita den radikalen Organisationen Hamas oder Islamischer Dschihad an. Das Haus in Bureij gehört Morshet Shahin, einem Führer des Islamischen Dschihad. Anwohnern zufolge überlebte er den Angriff. Es sei zwar Schaden entstanden, Opfer habe es aber nicht gegeben, hieß es.

Friedensaktivisten als Schutzschilde

In Erwartung einer Vergeltungsaktion nach dem Anschlag in Haifa stellten sich in der Nacht zum Sonntag Dutzende von Friedensaktivisten in Ramallah als menschliche Schutzschilde für Palästinenserpräsident Arafat zur Verfügung gestellt. Nach palästinensischen Angaben wollen die vorwiegend aus Israel und dem Ausland stammenden Aktivisten einen Vergeltungsangriff auf den Palästinenserpräsidenten oder seine Ausweisung verhindern. Sie hätten sich am Amtssitz Arafats in Ramallah versammelt.

Der Gründer der israelischen Friedensgruppe "Gush Shalom", Uri Avneri, sagte vor Reportern in Ramallah: "Wir sind hier als menschliche Schutzschilde, um Präsident Arafat zu schützen". Zugleich warnte er vor einem Angriff auf Arafat. "Dies wurde nicht nur den Nahen Osten ins Unheil stürzen, sondern die ganze Welt." Avneri appellierte an US-Präsident George W. Bush, den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon von Aktionen gegen Arafat abzuhalten. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kurz nach Mitternacht schlagen mehrere Rakten in palästinensichen Häusern ein

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Israelische Friedensaktivisten mit dem Schild "Targetted Killing - Suicide Bombing"

Share if you care.