Kadyrow will "noch härter" vorgehen

8. Oktober 2003, 18:51
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Tschetscheniens Präsident setzt Entschädigungen für Kriegszerstörungen aus und fordert völlige Unterwerfung

Moskau - Zwei Tage nach seiner Wahl zum tschetschenischen Präsidenten hat Achmad Kadyrow die Unterwerfung seiner Gegner angekündigt. Er werde sich nur mit seinen Anhängern umgeben und "noch härter" gegen jene vorgehen, die sich ihm nicht unterwerfen würden, sagte Kadyrow der liberalen russischen Zeitung "Kommersant". "Ich bin der Chef der Republik, also werden meine Leute überall sein." Er werde nicht dulden, dass die verschiedenen Regionen der nach Unabhängigkeit strebenden Kaukasusrepublik unter der Kontrolle von Clanchefs stünden. "Sie müssen sich vollständig dem Präsidenten unterwerfen", betonte der bisherige Chef der pro-russischen Übergangsverwaltung.

"Fälschungen"

Kadyrow setzte am Dienstag die Entschädigungszahlungen für im Krieg zerstörte Häuser aus. Er begründete die Maßnahme nach Angaben aus seinem Umfeld damit, dass die Antragslisten für die von Moskau finanzierten Entschädigungen zum großen Teil gefälscht seien. Die seit 26. September ausgezahlten Zahlungen waren als Wahlkampfhilfe für Kadyrow gewertet worden. Die Präsenz russischer Truppen in der Republik sei weiterhin notwendig, sagte Kadyrow. Sobald er feststelle, dass die Sicherheitslage in Tschetschenien unter Kontrolle sei, werde er den russischen Präsidenten Wladimir Putin um Abzug der Truppen bitten.

Umstrittene Wahlen

Kadyrow war bei der umstrittenen Wahl am Sonntag mit über 80 Prozent der Stimmen zum Präsidenten der Kaukasusrepublik gewählt worden. Der Urnengang wurde weltweit kritisiert, da im Vorfeld alle ernsthaften Herausforderer des moskautreuen Verwaltungschefs von der Teilnahme ausgeschlossen worden waren. Kadyrow ist bei den Tschetschenen äußerst unbeliebt, seine Milizen sind berüchtigter als die russische Armee. Die Zeremonie zu seinem Amtsantritt am 19. Oktober soll nach Angaben seines Wahlkampfleiters Taus Dschabrailow aus Sicherheitsgründen "an drei verschiedenen Orten" vorbereitet werden.

80,8 Prozent

Bei der Präsidentenwahl Kadyrow nach offiziellen Angaben 80,84 Prozent der Stimmen erhalten. Die Wahlbeteiligung lag bei 87,7 Prozent, wie die Wahlleitung am Dienstag in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny mitteilte. Der Zweitplatzierte, Abdul Bugajew, erhielt bei der Wahl am Sonntag 5,8 Prozent der Stimmen. Kadyrow soll am 19. Oktober in sein Amt eingeführt werden. (APA/AFP)

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    Der ehemalige Geistliche Kadyrow hatte die russischen Truppen im ersten Tschetschenienkrieg (1994-1996) noch bekämpft, hatte sich dann aber auf die Seite Moskaus geschlagen.

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