"Bedrohungsszenario" für den ORF

13. Oktober 2003, 10:28
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Digitaler Satellitenempfang erhöht Reichweite der Werbefenster deutscher Konkurrenz

Bisher können Pro Sieben, Sat.1, RTL und Co. den österreichischen Werbeagenturen nur knapp 40 Prozent aller Fernsehhaushalte als potenzielles Publikum verkaufen: So viele sehen über Kabel fremd. Digitalsatelliten sind deutlich billiger als bisher gewohnte analoge, was Schüsselbesitzer in greifbare Nähe der Werbefenster rückt. Der Verkauf der nötigen Empfangsgeräte zog zuletzt an.

21.000 digitale Empfänger

"In vier Jahren wird der überwiegende Teil der Satellitenhaushalte seine Programme digital empfangen", erwartet Alfred Grinschgl. Der Chef der Rundfunkregulierung verweist auf GfK-Daten: Fast 21.000 digitale Empfänger wurden in Österreich im Mai und Juni 2003 verkauft. Mai/ Juni 2002 waren es noch 8750.

"Ein Bedrohungsszenario für unsere Werbeeinnahmen", bestätigt Alexander Wrabetz dem STANDARD. Der Kaufmännische ORF-Direktor machte gerade seine Stiftungsräte auf das Problem aufmerksam.

Billige Seher

Entscheidende Frage für die Werbewirtschaft: Wie viel kostet mich, 1000 Seher, Hörer, Leser zu erreichen? Dieser so genannte Tausendkontaktpreis der Werbefenster liegt trotz Preissenkungen des ORF noch immer weit über jenem der Werbefenster (ATV+ hat sich dazwischen positioniert).

Beziffern will Wrabetz die drohenden Umsatzverluste nicht, wenn die Werbefenster ihre technische Reichweite bis zu verdoppeln können: "Ob zehn Prozent oder mehr kann man nicht sagen."

Konkurrenz belebt das Geschäft auch des ORF, meint Grinschgl. Markus Breitenecker, der Werbeplätze in Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1 und Viva vermarktet, beschwichtigt: Zwar sollen beim großen Nachbarn Deutschland bis 2010 Satellitenprogramme nur noch digital ausgestrahlt werden. Kaum aber stellten alle Satellitenhaushalte auch jene Kanäle ein, auf denen die österreichische Werbung läuft. Schließlich laufen über Satellit auch weiter für das deutsche Publikum die Originalversionen von Pro Sieben und Co. mit deutschen Spots.

22 Prozent der Haushalte

Welche eingestellt werden, hängt für Breitenecker davon ab, "inwieweit sie als österreichisch angesehen werden". ORF-Direktor Wrabetz geht denn auch von Umstellkampagnen der Fensterbetreiber aus, wenn genügend Digitalempfänger in Betrieb sind.

22 Prozent der Satellitenhaushalte empfangen laut GfK schon digital. Mehr als 45 Prozent der österreichischen TV-Haushalte haben Schüsseln.

Unverschlüsselt digital senden Breiteneckers Fensterprogramme schon über Astra. Die RTL-Sender laufen bisher digital über den deutlich seltener von Konsumenten angesteuerten Eutelsat.

Digital terrestrisch, also über simple Hausantenne werden die deutschen Sender noch länger nicht zu sehen sein, sagt Breitenecker: "Dafür haben wir die Rechte nicht."(Harald Fidler/Der Standard, Printausgabe vom 4./5.10.2003)

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